Kissenhüllen sind auch nur Socken

Dass ich Kissenbezüge stricken möchte, habe ich Euch ja im letzten Beitrag erzählt. Eigentlich wollte ich damit noch gar nicht anfangen, weil ich erst noch ein Tuch fertig machen möchte, aber manchmal kommt es einfach anders.


Ich saß gemütlich an meinem Tuch und dachte über die Kissenhüllen nach und darüber, dass ich so gerne Socken und Tücher stricke, weil es da nichts zum zusammennähen gibt. Ich finde das Zusammennähen von Strickstücken furchtbar und mein Nähte sehen auch immer zum Gruseln aus, weshalb ich möglichst alles an einem Stück stricke. Die Kissenhüllen wollte ich auch mit möglichst wenig Nähten stricken, also entweder rund, so dass nur unten eine Naht sein muss, oder aber Vorder- und Rückenteil aneinander gestrickt, so dass zwei Seitennähte zu schließen wären - beide Möglichkeiten gefielen mir nicht.


Dann gingen meine Gedanken ein bisschen spazieren, wie das manchmal so ist, wenn man an einer unkomplizierten Strickarbeit sitzt, und ich dachte an Erika und ihre Hebemaschensocken, die ich noch auf meiner Strickliste habe. Und dann fiel mir ein, dass sie die Socken immer Toe up strickt, also an der Spitze anfängt und nach oben strickt - und da machte es klick.


Im Grunde ist eine Kissenhülle nichts anderes als eine Socke: Oben muss sie offen sein und rundrum und unten geschlossen. Ich stricke mich bei meinen Socken immer von oben nach unten durch, also vom Bündchen zur Spitze, aber man kann es eben, genau wie Erika, auch umgekehrt machen, also Toe up (Zehen aufwärts) - und genau das brauchte ich für das Kissen. Versucht hatte ich diese Sockenstricktechnik schon mal, war aber gnadenlos gescheitert; 16 Maschen auf zwei 2,5-er Nadelspielnadeln war für meine großen Hände irgendwie nicht machbar. Vielleicht war das mit 110 Maschen (soviele Maschen brauche ich für eine Kissenseite, hatte die Maschenprobe gesagt) auf zwei 4er-Rundnadeln aber anders?


Natürlich habe ich das Tuch sofort weggelegt und losgelegt. Und was soll ich sagen? Es klappt tatsächlich! Ich habe mir das Toe up-Video von Elizzza zu Hilfe genommen, allerdings die Aufnahme der Maschen aus der Anschlagskante ein bisschen anders gemacht. Auf dem Bild links ist die Anschlagskante in der Mitte; oben ist die Rückseite des Kissens in glatt rechts und unten die Vorderseite, die ein einfaches Schachbrettmuster bekommt. Die Anschlagkante ist die untere Kante des Kissens.


Oben auf dem Bild über diesem Text sieht man, dass die Seitenkanten des Kissens auch geschlossen sind; im Moment stricke ich noch auf zwei Rundnadeln, aber in ein paar Zentimetern werde ich zu einer Rundnadel wechseln und ganz normal rund stricken können. Ich stricke also bis oben alles in einem Stück und muss dann oben nur einen Verschluss für die Kissenhülle basteln.


Ich bin restlos begeistert, dass das mit der nahtlosen Kissenhülle klappt. Wenn Ihr Interesse daran habt, werde ich eine Anleitung für das Toe-Up-Kissenhüllen-Prinzip schreiben; das würde allerdings ein bisschen dauern, da ich jetzt erst mal wieder zu meinem Tuch wechseln werde. Aber ich freue mich schon darauf, an dem Kissen weiter zu stricken.

Antworten