Ihr kennt das bestimmt auch: Am Ende eines Strickstücks geht einem die Wolle aus, aber man hat noch ein aufgeribbeltes Knäuel oder einen aufgeribbelten Rest. Oder man hat etwas aufgeribbelt und möchte aus der Wolle ein neues Projekt stricken. Das Problem: Die geribbelte Wolle sieht krüsselig aus und das Strickbild, wenn man sie verstrickt, ist unschön und unterscheidet sich elementar vom Strickbild mit neuer Wolle. Das gibt sich zwar beim Waschen und spannen des fertigen Strickstücks ziemlich gut, aber man sieht den Unterschied oft trotzdem noch. Meiner Erfahrung nach: Je glatter das Garn, desto größer das Problem.
Meinen neuen Kolding stricke ich fast komplett aus aufgeribbeltem Garn. Natürlich habe ich zuerst versucht, die geribbelte und deshalb krüsselige Wolle direkt zu verstricken (ich bin ein bisschen faul), aber das sah furchtbar aus. Also mache ich die geribbelte Wolle Knäuel für Knäuel wieder glatt und einsatzbereit. Wie ich das mache, möchte ich Euch gerne zeigen.
Zuerst wickele ich die geribbelte Wolle zu einem Strang. Ich habe dafür den Deckel einer meiner Wollkisten genommen; es geht aber auch eine Stuhllehne oder ein hilfsbereiter Mensch. Wichtig: Das Hilfsteil darf nicht zu klein sein; ein normal großes Buch zum Beispiel ist deutlich zu klein, mein Deckel auch schon fast.
Nach dem Wickeln binde ich den Strang noch auf dem umwickelten Hilfsmittel an vier Stellen mit Baumwollfäden nicht zu feste ab und nehme ihn dann von dem Hilfsmittel runter.
Jetzt kommt die Wolle für ca. 15 Minuten in ein Bad mit Wasser und ein bisschen Wollwaschmittel. Danach unter fließendem Wasser ausspülen und leicht ausdrücken.
Auf ein Handtuch legen, das Handtuch mit Strang zusammenrollen und gut zusammendrücken, so dass es die Feuchtigkeit aufnimmt, ohne das auf den Strang Reibung einwirkt. Ausgedrückt sieht es dann aus wie auf dem Bild. Jetzt schneide ich drei der vier Abbindungen auf; die lockerste lasse ich drin.
Jetzt muss die Wolle trocknen. Ich lockere dafür die Wolle ein bisschen auf und hänge den Strang am verbliebenen Abbindefaden auf, gerne nach draußen. Allerdings nicht in die pralle Sonne (das habe ich nur fürs Foto gemacht), sondern in den Schatten. Ab und an verschiebe ich den Abbindefaden ein bisschen, damit auch an der Abbindestelle die Wolle trocknen kann; deshalb sollte der Faden locker sitzen.
Wenn die Wolle trocken ist, auch die letzte Abbindestelle öffnen und die Wolle wickeln. Ich mache das mit Haspel und Wollwickler, aber hier gehen natürlich auch ein hilfsbereiter Mensch, der den Strang hält, und das Wickeln per Hand.
Das ist das Ergebnis; die Wolle sieht fast aus wie neu. Sie ist, wenn man ganz genau schaut, ein klitzekleines bisschen weniger glatt als das Originalknäuel, aber das ist ein Unterschied, der wirklich nach Baden und Spannen des fertigen Strickstückes komplett verschwunden ist.
Das war es schon. Es ist tatsächlich weniger Aufwand, als es jetzt so mit Bildern erklärt wirkt; am längsten dauert das Trocknen der Wolle. Alles andere ist recht schnell gemacht.
Wenn Ihr Fragen habt, meldet Euch gerne in den Kommentaren.
… mir wurden in der Vergangenheit bereits mehrere Vorgehensweisen empfohlen, Deine jedoch scheint mir am besten zu sein. Sollte man ein bestimmtes Vollwaschmittel benutzen (z.B. Eucalan) oder kann man es auch mit einem eher handelsübliches Waschmittel machen (z.B. Perwoll von Henkel) ?
ich habe zwar Eucalan, benutze es aber so gut wie nie; es ist auch für die meisten Wollarten falsch. Wenn Du magst, schau doch mal hier; da gibt es ein Gespräch mit Andrea von 1rechts 1links, einem Wollgeschäft in Essen. Sie erklärt, was es mit dem Waschen auf sich hat:
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