Warum ich plötzlich das Häkeln angefangen habe

Direkt vorweg: Ich mag Häkeln nicht. Es erinnert mich an meine Grundschulzeit, an brettharte Topflappen und hässliche Puppenkleidung, an Omas kitschige Tischdeckchen mit Kaffeeflecken drauf und an unvollendete Scheibengardinen. Ich bin sicher, es gibt auch sehr schöne Häkeleien, aber in meinem Leben sind sie nie vorgekommen. Ich kann häkeln, aber ich benutze die Häkelnadel nur für den Anschlag beim Sockenstricken und sehr selten zum Abketten. Und jetzt. Wie das passieren konnte? Das ist eine sehr gute Frage.


Schuld ist das wunderschöne Paris Toujours-Tuch, das ich vor einer Woche - zusätzlich zu allem anderen, was gerade in Arbeit ist - angefangen habe. Das besteht zu großen Teilen aus Lochmuster und das ist für eine Linke-Maschen-falschrum-Strickerin wie mich problematisch. Falschrum gestrickte linke Maschen liegen nämlich falschrum auf der Nadel, weshalb das rechts Zusammenstricken, das man für das Paris Toujours-Muster ständig braucht, nicht funktioniert. Man muss also entweder jede linke Masche vor dem Zusammenstricken umdrehen oder aber die linken Maschen richtigrum stricken - und für diese Variante habe ich mich entschieden.


Ich habe schon öfters mal Dinge mit Lochmuster gestrickt, da war aber nur ein kleiner Teil des Strickwerks lochmusterig; beim Paris Toujours-Tuch sind weite Teile und vor allem immer komplette Reihen löcherig; ein paar linke Maschen richtigrum stricken war nie ein Problem, bei ganzen Reihen und dann auch noch mehreren hintereinander ist das dann schon anders.


Das linke Maschen falschrum stricken ist sehr bewegungsschonend im Gegensatz dazu, wenn man sie richtig strickt; mein linker Arm war also plötzlich sehr viel in ungewöhnlicher Bewegung und das mochte er nicht. Beim Stricken tut er jetzt ziemlich heftig weh, auch wenn ich gar nicht richtigrum links stricke, aber ich mache seit gestern brav Übungen und es ist auch schon ein kleines bisschen besser.


Da ich ohne Wolle aber unglücklich bin, habe ich dann überlegt, ob ich nicht vielleicht häkeln könnte; da braucht man die linke Hand ja nur zum Festhalten - und das geht tatsächlich. Ich hatte noch einen Baumwollbobbel, bei dem ich mich schon länger frage, wieso ich ihn eigentlich gekauft habe; er ist nicht gezwirnt und aus reiner Baumwolle ohne Beimischung, das mag ich beides zum Stricken gar nicht. Und außerdem hat er Klümpchensfarben, das mag ich eigentlich auch nicht. Zum Beschäftigungshäkeln ist er aber sehr tauglich und eine passende Häkelnadel habe ich auch noch gefunden, weshalb ich jetzt ein Granny-Tuch häkele, das ich 'Pinke Oma' nennen werde, wenn es fertig ist.


Meine ganzen Strickprojekte werden also auf mich warten müssen: Sowohl das senfgelbe Sofakissen, als auch der blaue Schal mit den großen Löchern und auch die beiden Tücher, die gerade in Arbeit sind: Das türkisgraue Keilituch (wie mein Mann es getauft hat) und eben das schöne Paris Toujours-Tuch. Zwei Paar Socken müssen auch warten, aber die wollten nicht mit aufs Bild.


Was ich daraus gelernt habe: Nie wieder so viel Lochmuster ohne Unterbrechung; ich hätte immer nur kurz lochmustern dürfen und dann an den anderen Sachen weiterstricken sollen - in Zukunft werde ich das auch so machen. Es wird dann zwar länger dauern, bis das Paris Toujours-Tuch fertig ist, aber das ist ja nicht so schlimm.

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