Warum ich bei Wolle auch auf den Preis gucke

Meine letzten Minitücher habe ich aus einen sehr schönen weichen Garn aus 60% Baumwolle und 40% Viskose gestrickt. Das erste Knäuel davon habe ich geschenkt bekommen, zwei weitere habe ich mir bestellt, weil eine liebe Bekannte gerne ein grünes Minituch aus genau dieser Wolle haben wollte und mich dabei dann noch eine zweite Farbe angelacht hat. Verstricken lässt sich das Garn sehr gut, auch meine allergiegeplagten Hände mögen es - da gibt es für mich also nichts zu meckern.

Was für mich schwierig ist, ist der Preis; ein 50g-Knäuel kostet (Stand heute) 8,90 €. Ich stricke sehr viel, ausschließlich aus Spaß an der Freude; ich verschenke meine Sachen gerne oder, wenn ich sie in der Stöberstube verkaufe, mache ich das zu einem Preis, den sich die Menschen auch leisten können. Bei großen Tüchern nehme ich zum Beispiel die Materialkosten plus 20 Euro fürs Stricken, bei Socken die Materialkosten plus (je nach Größe, als Beispiel für Größe 42/43) 6 € fürs Stricken. Wenn das Material teurer war, verzichte ich auf den Betrag fürs Stricken, damit der Preis für Tuch oder Socken nicht zu hoch wird. Die Materialkosten schreibe ich grundsätzlich aufs Etikett mit drauf. Ich möchte mit meinem Gestrickten kein Geld verdienen, sondern Freude machen.

Das möchte ich auch gerne weiter so machen, aber mein Wollbudget ist beschränkt, wie sicherlich bei den meisten von uns. Hin und wieder leiste ich mir auch mal auch teure Wolle und mein Bartträger sagt immer, ich soll mir jede Wolle kaufen, die ich möchte, aber ich muss sagen, ich mache es nicht gerne und im Nachhinein ärgere ich mich manchmal über mich. Mir macht das Stricken einfach keinen Spaß, wenn ich weiß, dass ich (übertrieben ausgedrückt aus meiner persönlichen finanziellen Sicht) ein halbes Vermögen auf den Nadeln habe und weiß, dass mein Bartträger oder wir beide dafür auf etwas anderes verzichten müssen.

Also suche ich gerne nach Wolle, die bezahlbar und trotzdem schön ist. In diesem Fall nach einem alternativen Baumwoll-Viskose-Gemisch. Gefunden habe ich eine auf den Bildern gut aussehende und fröhlichfarbene Wolle, die (Stand heute) 4,90 € pro 100g-Knäuel kostet (also ein knappes Viertel der anderen Wolle); sie ist aus 70% Baumwolle und 30% Viskose.

Bestellt habe ich mir drei 100g-Knäule zum Ausprobieren. Eins hätte natürlich auch gereicht, aber es gibt die Wolle in so schönen Farben, dass es drei Knäule werden mussten. Und da ich als Testobjekte hauptsächlich kleine Minischals stricken möchte (womit wir dann wieder am Anfang des Beitrags wären), dachte ich mir, davon kann man nie genug stricken.

Gestern ist die Wolle angekommen. Sie fühlt sich sehr schön an, der Viskostefaden, der um die Baumwollfäden drumrum gewickelt ist, glänzt dezent und die Farben leuchten - das liebe ich ja. Natürlich habe ich direkt angefangen zu stricken und bin wirklich angetan; ich mag die Wolle auf Anhieb. Und meine Hände auch, das ist fast noch wichtiger.

Mir macht es immer wieder Spaß, Garne auszuprobieren, auch wenn ich natürlich hin und wieder mal falsch liege. Aber wenn ich dann ein Garn gefunden habe, das ich mag UND bei dem für mich der Preis stimmt, bin ich sehr froh.

PS: Ich weiß natürlich, dass zum Beispiel handgefärbtes Garn teurer sein muss als industriell gefärbte Wolle und natürlich auch ein Garn mit Alpaka teuerer sein muss als ein reines Merino-Garn. Ich gönne es wirklich jedem, ausschließlich mit feinen und besonderen Garnen zu stricken. Aber ganz ehrlich: Man kann auch mit schlichtem und günstigerem Garn wunderschöne Dinge erschaffen; das Argument, dass man für besondere Designs unbedingt teures Material braucht, weil sich doch sonst die Arbeit nicht lohnt (eine oft und gerne benutzte Begründung) ist einfach falsch und den Menschen gegenüber, die sich die teuren Materialien nicht leisten können oder wollen, absolut arrogant und empathielos.

Manchmal habe ich, gerade bei Instagram, den Eindruck, dass bei einigen Stricker:innen nur extravagant und teuer zählt. Das ist immer wieder auch ein Grund, warum ich überlege, mich von Instagram zu trennen. Aber das ist ein anderes Thema.

Kommentare 3

Liebe Ursula,

es ist zwar nicht einfallsreich, wenn ich mich meinen "Vorschreibern" anschließe, aber Du hast es auf den Punkt gebracht!

Danke auch für den Hinweis einmal Frida`s Wollhaus zu "besuchen". Das habe ich getan und bin begeistert. Jetzt musste ich erstmal aufhören zu schauen, sonst verfalle ich in einen Woll-Kauf-Rausch:-)

Liebe Grüße aus dem heißen Unterfranken an die hoffentlich etwas kühlere Küste

Birgit

Liebe Ursula

Du hast mir aus der Seele gesprochen. 👍

Ich denke genau wie du.

Das Stricken sollte uns Spaß machen und unser Hobby sollte uns nicht arm machen. ☺️

Ganz liebe Grüße von Gabi

Liebe Ursula,

da bin ich völlig bei dir.

Schöne und gute Wolle muss kein Vermögen kosten, und teure Wolle ergibt auch nicht automatisch ein tolles Ergebnis.

Mich nervt z.B. ganz arg, dass bei Lana Grossa seit einigen Jahren alles doppelfädig gestrickt wird und die Modelle dadurch unglaublich teuer werden. Ich stricke längst keine Anleitungen mehr von ihnen, weil mir das einfach zu viel ist.

Liebe Grüße von Sabine aus München ☺️

Fragen, die nichts mit diesem Beitrag zu tun haben, und allgemeine wollige Anliegen könnt Ihr hier los werden.