Hier kommt ein unrühmliches Kapitel meiner Strickkarriere: Meine diversen Projektabbrüche. Davon gibt es einige; zum Glück habe ich von den meisten keine Fotos mehr, so dass es nicht ganz so peinlich wird.
Nein, im Ernst: Abbrüche gehören unbedingt zum Stricken dazu. Man weiß einfach vorher nicht, ob die Anleitung so ist, wie man sie sich vorgestellt hat, ob das Muster tatsächlich gut aussieht, ob die Wolle so ist, wie man sie sich gewünscht hat oder ob Wolle, Muster und Anleitung zusammen passen. Manchmal hat man auch schlicht keine Lust. Oder (was bei mir öfters mal passiert): Ich habe das Strickstück weggelegt, um zwischendurch was anderes zu stricken, und komme danach nicht mehr rein. Das passiert manchmal schon nach zwei Wochen; bei anderen Projekten macht auch eine halbjährige Strickpause nichts aus.
Egal warum: Es ist wichtig, die Reißleine zu ziehen, wenn man den Bezug zu seinem Projekt verloren hat. Stricken soll Spaß machen und entspannend sein; wenn ich mich mit zusammengebissenen Zähnen durch ein Strickstück quäle, tut es das und ist es das beides nicht.
Hier kommen also in Tabellenform 16 (von geschätzt dreimal so vielen) Abbrüchen, seit ich vor knapp sieben Jahren wieder angefangen habe zu stricken. Wenn Ihr mit dem Handy hier seid, haltet das am besten quer, weil die Tabelle sonst ein bisschen schwierig zu lesen ist:
Das sollte mal ein Schattenstrickereituch werden; es war ein Garnpaket samt Anleitung der Garnmanufaktur. Ich hatte schon reichlich Erfahrungen und keinerlei Probleme mit gefachtem Bobbelgarn, aber dieses war so schlecht und das Ergebnis derartig lappig, dass ich es noch nicht mal aufgeribbelt, sondern schlicht samt dem kompletten restlichen Garn in den Müll geworfen habe.
Die Wolle auf diesem Foto sollte zweifädig verstrickt mal ein Kolding werden. Die Wolle fand ich wirklich schön, aber weder das Foto noch der daraus entstehende Kolding haben mir gefallen. Ich habe deshalb geribbelt und die Wolle verschenkt.
Aus diesem schönen Bobbel wollte ich einen Stripeliner-Schal von der Bobbelbox stricken; den hatte ich schön zweimal gestrickt und mochte ihn sehr. Dieses Exemplar mochte ich aber nicht und habe es aufgeribbelt.
Der zweite Versuch mit dem Bobbel von eins drüber; diesmal sollte es ein einfaches Dreieckstuch werden. Aber auch das gefiel mir nicht. Also habe ich nochmal geribbelt und den Bobbel dann verschenkt.
Diese pinke Wolle sollte in ihrem ersten Leben ein Kolding werden; dafür gefiel sie mir aber nicht (Fotos davon gibt es nicht mehr). Also habe ich neu angesetzt und wollte daraus einen Wellenlinien-Schal von Tanja Steinbach stricken. Auch dafür gefiel mir die Wolle nicht. Sie hat dasselbe Schicksal ereilt wie der Bobbel eins und zwei weiter oben: Ich habe sie verschenkt.
Fragt mich bitte nicht, was das werden sollte - ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall war es furchtbar kratzig und meine Hände mochten das Flauschgarn nicht. Zum Glück, denn damit hatte ich einen logischen Grund, dieses Teil nicht weiter zu stricken. Ich muss gestehen, ich habe die Wolle entsorgt; so kratzige Wolle wollte ich nicht verschenken.
Warum ich unbedingt eine Schnecke von Babette Ulmer stricken wollte? Ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall was das ein völliger Strickholzweg, was aber nicht an der Anleitung lag - es lag schlicht an mir. Die Anleitung, das Garn und ich passten überhaupt nicht zusammen.
Irgendwann hatte ich dann die Idee, unbedingt Fair Isle stricken zu wollen. Es klappte sogar ganz gut, hat mir aber überhaupt keinen Spaß gemacht. Den Rest könnt Ihr Euch denken.
Und noch ein Kolding; der dritte, der es nicht geschafft hat. Aber wenigstens war mir nach diesem Versuch dann endgültig klar, dass ich voraussichtlich (man weiß ja nie) keinen Kolding mehr stricken möchte. Die vier, die ich gestrickt habe, habe ich verschenkt; sie werden sehr viel getragen und genutzt, aber ich habe mich (schon beim Stricken) mit dem Tuch nicht wirklich wohl gefühlt. Die Wolle habe ich verschenkt.
Das sollte mein dritter Mutsch von Isabell Kraemer werden. Ich mag das Tuch sehr, aber ich mag keine dicke Wolle - daran ist dieses Tuch letztendlich gescheitert. Ein Mutsch werde ich aber auf jeden Fall nochmal stricken, aber dann aus dünnerer Wolle.
Ja, ich breche ganz selten sogar Socken ab. Diese hier hatte ich in erster Linie für mein Gumgum-Socken-Videotutorial gestrickt und dann in eine Kiste gelegt. Nachdem sie da fast ein Dreivierteljahr gelegen hatten, habe ich die Nadeln rausgezogen und sie entsorgt. Gumgum ist eine tolle Technik, aber mir macht sie einfach keinen Spaß.
Und noch ein Mutsch, wieder mit zu dicker Wolle. Manchmal braucht man mehrere Anläufe, um etwas dauerhaft zu verstehen. Dass ich nochmal eins angefangen habe, zeigt wie gerne ich das Tuch mag. Aber ich glaube, das mit dem Mutsch und der zu dicken Wolle habe ich jetzt wirklich verinnerlicht.
Ich habe schon einige Schals und Tücher von Lisa Hannes gestrickt und mag ihre Anleitungen sehr. Das hier, ihr Woodland Retreat, ist das einzige, das ich abgebrochen habe. Das Problem auch hier: Zu dicke Wolle. Ja, ich habe es jetzt endgültig und vor allem anleitungsübergreifend begriffen.
Der Fleur de Provence-Foulard von Anja Müller - irgendwie bin ich dem Hype bei Instagram aufgesessen. Einen Fleur habe ich fertig gestrickt, die beiden nächsten abgebrochen. Ich fand die Anleitung langweilig (Entschuldigung!) und mein Bartträger hat mich immer wieder gefragt, was ich da eigentlich stricke - das würde überhaupt nicht zu mir passen. Er hatte Recht - ich bin nicht so der Blümchen-Typ. Die aufgeribbelte Wolle habe ich noch in meinem Fundus.
Fleur de Provence-Foulard zum zweiten: Siehe oben
Der Nuvem von Martina Behm - ich weiß nicht, warum ich den plötzlich stricken wollte. Manchmal versteht man sich im Nachhinein ja selbst nicht mehr. Das Tuch ist aus meiner Sicht grauenhaft langweilig (auch hier Entschuldigung - dagegen ist der Fleur de Provence-Foulard ein Krimi) und das Gerödel mit den vielen Maschenmarkierern (obwohl ich Maschenmarkierer liebe und viel benutze) furchtbar. Ich habe ziemlich lange durchgehalten, aber dann bei über 600 Maschen auf der Nadel abgebrochen. Auch hier habe ich geribbelt und die Wolle verschenkt.
Das war meine kleine Übersicht. Wenn ich sie mir anschaue muss ich sagen, dass ich in den meisten Fällen daran gescheitert bin, dass Wolle und Anleitung nicht zusammen gepasst haben oder Anleitung und ich. An den Anleitungen oder den Garnen selbst hat es (bis auf das kratzige Etwas, von dem ich nicht mehr weiß, was es werden sollte und das Garn von der Garnmanufaktur) nie gelegen.
Wie schon im Untertitel geschrieben: Diese Übersicht hat ein offenes Ende. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.
PS: Zum Thema Kolding: Wenn ich mir meine drei abgebrochenen Versuche angucke denke ich mir, vielleicht sollte ich es doch noch ein viertes Mal probieren. Ich werde aber vorher gründlich darüber nachdenken. Auweia.
Liebe Ursula, ein ganz großes Danke schön!!! 🥰ich hab mich gerade in deinen Beschreibungen selber wieder gefunden. auch was die Hände betrifft, ich reagiere leider auch auf einiges allergisch. aber vor allem kann ich meinen inneren Monk beruhigen, ich bin nicht alleine mit solchen Reaktionen 😉😇😅
nein, Du bist nicht alleine 🤗 Ich habe bei Facebook auf den Beitrag hier schon so viele Reaktionen, wo geschrieben wird, dass es den Schreiberinnen genauso geht - ich glaube, wir sollten einen Club aufmachen. Die Montagsribbler - oder so ähnlich 😂
Liebe Ursula...Du hast diese Fails einfach herrlich schön beschrieben...ich bin von Deinem ganz frischen Instagram Posting direkt hierher gehopst uns hatte Spaß beim Lesen. Bei einigen der Teile habe ich auch größtes Verständnis für Deine Entscheidung.
vielen Dank für Deinen lieben Text 🤗 Ich freu‘ mich so, dass Du mich verstehen kannst - manchmal weiß man wirklich nicht, was man sich eigentlich gedacht hat 🙈😂
Liebe Grüße zurück zu Dir 👋
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