Faszination Leuchti: Es geht los, wenn auch anders als geplant

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, den perfektesten, schönsten und wunderbarsten Leuchti aller Zeiten zu stricken; direkt mein erster sollte ein Wunderwerk an Kunstfertigkeit werden. Wie sowas geht und aussieht, wusste ich aus der tollen Leuchtturm-Facebookgruppe; die Bilder hatten mich von Anfang an begeistert.


Ich bin in manchen Dingen ein bisschen seltsam; ich muss immer alles erstmal ausprobieren - beim Leuchti war das natürlich nicht anders. Leuchtis werden aus gefachter Wolle gestrickt (gefachte Wolle ist Wolle, bei der die einzelnen Fäden nicht miteinander verdreht sind, sondern einzeln liegen); da ich aber keine gefachte Wolle zum Testen hatte, habe ich mir bei einer Bekannten zwei Reste geholt und losgelegt. Natürlich sollte mein Leuchti an beiden Seiten einen schönen iCord-Rand bekommen und abketten wollte ich auf jeden Fall auch per iCord und zwar zweifarbig. Bei meinem Mini-Test-Leuchti hat das auch alles wunderbar geklappt; mein großer Leuchti sollte dazu allerdings auch noch einen iCord-Anschlag nach Thorsten Duit bekommen.


Soweit die Theorie.


Die Praxis sah dann ein bisschen anderes aus, wobei ich da ein bisschen ausholen muss, um Euch das zu erklären.


Ich habe ein Gehirn, dass nach drei Tumor-OPs zwar immer noch tadellos arbeitet, aber manchmal nur im Schneckentempo. Zuviele Reize (optisch, akustisch oder sonstwie) stürzen mich ins Chaos und die Verbindung von meinen Sinnesorganen zu meinem Gehirn reißt; anders kann ich das nicht beschreiben. Es gab den legendären Morgen, an dem mein Mann mir das eine Ende einer Verlängerungsschnur in die Hand gedrückt hat mit der Bitte, es in die Steckdose zu stecken - ich habe zwei Minuten gebraucht, um zu begreifen, was eine Steckdose ist; der Morgen war bis dahin ziemlich trubelig gewesen. Zum Glück können wir über sowas lachen und es schränkt mich auch nicht wirklich ein; schwierig wird es eben nur, wenn um mich rum viel Unruhe oder Unbekanntes ist. Wenn ich in meiner vertrauten Umgebung, Ruhe und Routine bin, ist alles gut und ich erkenne auch Steckdosen auf den ersten Blick.


Vorgestern Abend wollte ich also leuchtimäßig loslegen und hatte alles vorbereitet:

  • Zwei Bobbel mit insgesamt
  • acht Einzelfäden
  • Zwei Nadelspitzen
  • Ein passendes Seil
  • Zwei Garnschalen
  • Ein Pad mit dem Video von Thorsten Duit für den Anschlag
  • ein Kopf voller genauer Vorstellungen, wie ich die Streifen machen wollte

Ihr könnt Euch vielleicht schon denken, was passiert ist: Ich habe vollkommen den Überblick verloren und war total überfordert. Ich habe zwar angefangen, hatte aber schon in der zweiten Reihe Streit mit zwei der acht Einzelfäden und der iCord wollte auch nicht im Ansatz so wie ich bzw. Thorsten Duit. Früher hätte ich mich durch eine solche Situationen durchgezwungen, aber das mache ich nicht mehr, weil ich es ja auch gar nicht muss. Ich habe also Thorsten Duit samt Anschlags-iCord und meinen genauen Streifenvorstellungen erstmal in die Wüste geschickt (entschuldige, lieber Thorsten), eine kleine Pause gemacht und nochmal neu angesetzt.


Die Wartezeit auf meine Leuchti-Wolle hatte ich unter anderem damit verbracht, mir ein Video über schöne Randmaschen bei Farbwechseln anzuschauen, nämlich dieses hier; ich hatte es über die Leuchti-Gruppe gefunden. Und genau so habe ich es dann auch gemacht. Mustermäßig habe ich beschlossen, immer drei Rippen zu stricken und dann die Farbe zu wechseln; das ist sicherlich nicht besonders kreativ, aber es war für mich einfach am überschaubarsten und ich musste mein Gehirn nicht mehr mit Überlegungen zur Streifenbreite zu belasten.


Diesem 'Fahrplan' folge ich also jetzt und bin selig; das Stricken macht so viel Spaß, ist total entspannend und setzt mich unter keinerlei Druck. Es wird vielleicht nicht das Wunderwerk, das mir vorgeschwebt hat, aber es wird MEIN Leuchti, der mir im Moment am besten entspricht. Wunderwerke kann ich später immer noch stricken - oder auch nicht; mein Leuchti gefällt mir bisher so gut, dass ich gar kein Wunderwerk vermisse, sondern auch bei den nächsten Leuchtis einen für mich unkomplizierten Weg gehen werde.


Inzwischen bin ich bei den ersten Farbwechseln angekommen und die ersten Rotschimmer sind zu sehen:



Wenn ich ein Stück weiter bin, melde ich mich wieder.


Edit: Inzwischen ist Teil 3 online:


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Kommentare 10

  • Hallo Ursula!

    Ich bin schon eine geraume Zeit am Socken stricken, aber erst mit deiner Zunahmeferse macht es wirklich an allen "Rundungen" Spaß.

    Und jetzt hab ich die Leuchti's entdeckt, sobald die Weihnachtssocken fertig (oder fast) werde ich mich an solch wunderschönen Tuch versuchen


    Vielen Dank für deine sehr gut verständliche Hilfe und die vielen Anregungen

    Ganz liebe nadelige Wollgrüße

    Silvia

    • Liebe Silvia,


      vielen lieben Dank für Deine lieben Worte 🍂🍁; ich freu' mich so, dass Du meine Seite magst. Ich habe inzwischen den zweiten Leuchti auf den Nadeln und er macht genauso viel Spaß wie der erste - das ist wirklich ein wunderschönes, aber einfach zu strickendes Tuch.


      Ganz liebe Grüße zurück zu Dir 🤗

  • Liebe Ursula!

    Unsere Wege kreuzen sich immer wieder :) während der Corona-Pandemie habe ich das Sockenstricken für mich entdeckt und geübt. 4 Tücher sind auch schon entstanden, mehr oder weniger holprig.

    In einer Facebook Gruppe für Strickanfänger bin ich auf deinen Blog gestoßen. Die wunderschönen Leuchtis faszinieren mich schon sehr und ich freue mich total deine Leuchti-Entstehung zu verfolgen:-) bald werde ich bestellen, sobald ich mich entschieden habe welche Farbe es sein soll. Ganz liebe Grüße und hoffentlich bis bald in Ditzum, Sandra

    • Liebe Sandra, das ist so schön, Dich hier zu lesen 😍 Und ja, wir begegnen uns wirklich immer wieder und das ist so schön. Socken stricke ich ja auch ausgesprochen gerne; ich habe immer welche auf den Nadeln. Wenn ich müde bin, stricke ich am liebsten Socken, das geht dann einfach am beste 🧦 Ich bin ganz gespannt, was für Farben Du Dir aussuchen wirst; ich fand meine erste Wahl - abgesehen vom Original, das irgendwie sein musste - ausgesprochen schwer. Ich freu' mich schon, Euch beide in Ditzum wieder zu sehen 🙃

  • Liebe Ursula, mir geht es oft genau so, wie du es beschrieben hast. Nach 2 Schlaganfällen ist es bei mir auch ähnlich. Das heißt : Vorbereitung ist alles. Oft geht es nicht, spontan etwas anzuschlagen. Manchmal geht gar nichts und dann : auf einmal ist der Knoten im Kopf geplatzt und es klappt. Danke, das du uns mitnimmst. Das Leuchti will ich auch noch versuchen, aber die "Tapetenrolle" ist lang. Eins nach dem Anderen! Vielen Dank, das du auch alles verlinkt. Das hilft.

    • Liebe Kirsten, Dankeschön für Dein liebes Verständnis 🤗 Du hast es aber auch nicht leicht, aber wichtig ist, dass man sich an dem freut, was noch geht und nicht dem hinterher trauert, was nicht mehr geht. Das ist zwar einiges (bei Dir sicherlich auch), aber es geht eben auch noch sehr viel und vor allem sehr viel Schönes ☀️

  • Liebe Ursula du hast es wieder genau auf den Punkt beschrieben ! Es helfen alle guten Vorsätze nicht , wenn der „Kopf „ anders entschieden hat .Aber es wird DEIN Tuch und es wird wunderschön ! Ganz liebe Grüße und ich freu mich schon auf deinen nächsten Bericht . 😘

    • Liebe Eva, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar 🌷

  • Liebe Ursula, danke für Teil 2 Deines Leuchti-Abenteuers.

    Ich finde es sehr interessant, wie Du Alles so schön vorbereitet hast und verstehe jetzt natürlich auch viel besser, warum Vorbereitung für Dich sehr wichtig ist.

    Es schadet ja grundsätzlich nicht, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie man sein Projekt gestalten möchte.

    Bei anderen Strickwerken gibt es eine Maschenprobe und Du hast im Grunde nicht viel Anderes gemacht.

    Auch dass Du es strukturiert angehst und Dich für eine gleichmäßige Streifenbreite entschieden hast, gefällt mir gut.

    Das macht die Individualität eines jeden Tuches aus, es gibt kein Richtig oder Falsch.

    Manche Leuchtis „sprechen“ mit uns, vielleicht tut es Deiner noch oder auch nicht, weil er weiß, dass Dir etwas Anderes wichtig ist.

    Ich finde ihn schon jetzt sehr schön mit ICord Rand und dem 1. Farbwechsel.

    Das ist doch richtig spannend beim hoffentlich entspannten Stricken.


    Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude mit Deinem Leuchti und bin gespannt auf Teil 3 Deiner Geschichte.

    Danke in diesem Zusammenhang auch für Deine Offenheit.


    Liebe Grüße Claudia 🤗

    • Liebe Claudia, Dankeschön für Deine so lieben Worte 😘 Ich hatte mir tatsächlich im Vorfeld einfach zu viele Gedanken gemacht und wollte einfach zuviel; manchmal braucht man ein bisschen, um das zu merken. Die Streifen gefallen mir auch sehr; ich bin insgesamt ein sehr logischer Mensch und gleichbreite Streifen für den Anfang passen zu mir - meinte mein Mann 😂