B!OSS - B!DESIGN One Sleeve Shawl

Es geht los / Die Anleitung

Das hier wird etwas länger und vor allem enthält es jede Menge Fotos - der wunderbare Ein-Ärmel-Schal von B!DESIGNKnitwear (meine Freundin Brigitta Rehnke) heißt nicht umsonst B!OSS. Er ist wirklich der Boss - anders kann man das gar nicht sagen. Extra für ihn ist Coco bei uns eingezogen.

Das Wichtigste zuerst: Die sehr gut und übersichtlich gemachte Anleitung findet Ihr hier bei Ravelry. Das Muster strickt sich absolut intuitiv; zuerst geht es knappe zwei Meter nur geradeaus, ohne Zunahmen oder Abnahmen, und dann kommt der Ärmel. Aber der ist so gut erklärt, dass wirklich alles problemlos klappt.

Die Bilder

Hier kommen die Bilder. Zuerst durfte Coco, unsere neue Mitbewohnerin, den B!OSS tragen, danach dann ich. Coco hat (im Gegensatz zu Luise, meiner Schneiderpuppe, die schon lange bei uns wohnt und die Ihr schon von vielen Strickprojekten kennt) Arme - für den B!OSS nicht unwichtig.

Wichtig zu wissen ist: Schneiderpuppen wie Coco gibt es zu bezahlbaren Preisen nur in sehr kleinen Größen; Coco hat 34/36. Ich habe zur Zeit schlappe fünf Größen mehr, nämlich 46. Man sieht auf den Bildern deshalb sehr gut, wie B!OSS an unterschiedlichen Figuren wirkt.

Wie zieht man einen Ein-Ärmel-Schal an?

Diese Frage habe ich mir während des Strickens auch gestellt - hier kommt die Antwort in Form eines kurzen Videos:

Die Wolle / Knäuelwechsel ohne Übergang

Gestrickt habe ich mit 4,0er-Nadeln mit Lana Grossa Cool Wool Vintage in Farbe 7382 (Sandbeige). Die Cool Wool Vintage ist ein unterschiedlich intensiv gefärbtes Garn, das mal mehr und mal weniger streift. Neun meiner zwölf Knäuel, die ich bestellt hatte, seht Ihr auf dem ersten Bild; sie waren trotz identischer Partie-Nummer sehr unterschiedlich.

Lana Grossa selbst empfiehlt, die Vintage immer mit zwei Knäulen abwechselnd eine Runde oder zwei Reihen zu stricken, um die Farbunterschiede auszugleichen. Das mache ich nicht; ich stricke nur beim Knäuelwechsel parallel. Und zwar nach folgendem System:

Ich wiege das Garn vor und nach zwei gestrickten Reihen (Hin- und Rückreihe); bei mir ergab das einen Garnverbrauch von 1,7g. Diese Zahl habe ich mit 4 multipliziert = 6,8g (Verbrauch für acht gestrickte Reihen), weil ich den Farbwechsel über insgesamt 16 Reihen stricken wollte, viermal je zwei Reihen abwechselnd mit dem einen und dem anderen Knäuel. Jetzt noch ein bisschen Sicherheit dazu, weil man ja nicht immer ganz genau gleich feste oder locker strickt; ich bin also von einem Verbrauch für 16 Reihen von 7,2g ausgegangen.

Sobald ich vom aktiven Knäuel noch mindestens 7,2g übrig hatte (aber nicht mehr als 9g), habe ich das neue Knäuel am Anfang einer Hinreihe angesetzt und dann immer abwechselnd zwei Reihen gestrickt. Das klappt super - man sieht den Übergang kein bisschen. Auf dem zweiten Foto ist der Übergangsbereich zwischen den beiden Maschenmarkierern.

Wollverbrauch und Maße

Verbraucht habe ich knappe elf Knäuel Cool Wool Vintage; das fertige Tuch wiegt 534g und ist bis zum Ansatz des Ärmels ca. 190 x 85cm groß. Den Ärmel habe ich 25cm lang gestrickt.

Die Perlchen und wie man sie einstrickt

Bei den Perlchen, die bei Brigittas Designs immer dazu gehören, habe ich mich passend zur sandbeigen Vintage für 6/0 Miyuki Rocailles in Farbe 2035 (Metallic Khaki Iris Matt) entschieden. Das sind Perlchen, die in verschiedenen Tönungen schimmern, was ich sehr gerne mag.

Wie man Perlchen einstrickt, habe ich hier in einem Video-Tutorial erklärt:

Ursula
22. August 2024 um 11:46

Wie spannt man einen Ein-Ärmel-Schal?

Dieses Thema hat mich auch schon während des Strickens beschäftigt. Der Schal ist zwar die meiste Zeit einfach nur rechteckig, aber am ballonartigen Ansatz des Ärmels und am Ärmel selbst wird es schwierig.

Gaby, die den B!OSS geteststrickt hat, hat für Ärmel und Ärmelansatz eine ganz einfache Lösung gefunden: Sie hat ein Weinflasche in den Ärmel geschoben und den ballonartigen Ansatz einfach locker ausgelegt. Eine Weinflasche deshalb, weil diese Flaschen ganz gerade und rund sind; es gibt keine Vertiefungen oder Kegelformen an den Flaschen. Für mich kam diese Lösung aber nicht in Frage, da wir keine Weinflaschen haben und auch keine kaufen wollten. Und so seltsam es auch klingt, es gibt in unserem Supermarkt tatsächlich keine anderen Flaschen mit dieser Form; alle sind irgendwie geformt - warum auch immer.

Per Zufall habe ich dann doch eine Lösung für mich gefunden. Im Baumarkt, wo mein Bartträger was kaufen wollte, gab es Poolnudeln und damit hatte ich alles, was ich brauchte.

  • Zwei Poolnudeln in unterschiedlicher Größe; ich wusste im Baumarkt nicht, welche Größe passen würde

  • Vier ein Meter lange rostfreie Edelstahlstangen für 1,50€ das Stück aus der Modellbauabteilung unseres Baumarktes (anstelle der sündhaft teuren Spanndrähte von KnitPro zum Beispiel); die Stangen habe ich schon vor Jahren gekauft
  • Zwei Einmalhandschuhe (weil ich die Stangen sonst wegen Allergie nicht anfassen kann)
  • Bastelwatte
  • Spannmatten
  • Spannnadeln
  • Diverse Kunststofftüten
  • Klipse zum Verschließen der Tüten
  • Ein Brotmesser

Die rote Poolnudel war die richtige. Ich habe mit dem Brotmesser ein passendes Stück abgeschnitten, das ich in den Ärmel geschoben habe. Teile der Füllwatte habe ich in eine Plastiktüte getan und sie mit Klipsen zu einem Ball geformt; das Ganze kam hinter das Poolnudelstück unter das Tuch. So ganz rund ist es nicht geworden, aber es hat trotzdem wunderbar geklappt. Mit den Einmalhandschuhen an den Händen habe ich die Metallstangen an den Seitenkanten des Tuches eingezogen und mit den Spannnadeln fixiert; den Rest des Tuches habe ich dann mit Spannkämmen in Form gebracht. Das Ganze sah dann so aus:

Es hat tatsächlich prima geklappt und mein B!OSS war nach Baden und Spannen wunderbar glatt und gleichmäßig, wie man auf den Bildern oben ja sieht.

Mein Fazit

Ich kenne Brigitta ja inzwischen schon länger. Genauso lange kenne ich ihre manchmal verrückten Design-Ideen, die immer etwas Besonderes sind. Aber mit dem B!OSS hat sie sich selbst übertroffen - so ein originelles Teil habe ich noch nie gestrickt. Es ist aber nicht nur originell, sondern herrlich kuschelig und gemütlich - oder edel, je nachdem aus welcher Wolle man es strickt. Und es trägt sich einfach super. Wenn die Wolle eher rutschig ist, kann man das Tuch auf der Schulter auch mit einer Spange befestigen; bei der Vintage ist das aber nicht nötig.

Eigentlich freue ich mich ja auf einen schönen Sommer. Aber wenn wir den nicht bekommen sollten, macht das gar nichts. Dann kuschele ich mich in meinen B!OSS ein.

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