⭐️ Der Ursula strickt-Adventskalender 2022 ⭐️

Wirbels Weihnachtswunder

In der Adventszeit 2022 gab es hier im Blog einen wolligen Adventskalender, in dem ich 24 kleine Geschichten rund um Wirbel, den Weihnachtswunderbobbel erzählt habe.

Der Kalender ist so gut angekommen und hat auch mir so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe, ihn nach der Adventszeit zu löschen; deshalb ist er immer noch da und Ihr könnt die kleinen Geschichten auch heute noch lesen - auch außerhalb der Adventszeit. Ich habe allerdings inzwischen alle Türchen hier in den Beitrag eingefügt; Ihr könnt sie über das Inhaltsverzeichnis oben im Beitrag direkt ansteuern oder Euch einfach durch die Tage durchscollen.

Wirbel und ich hatten mit dem Schreiben der Geschichten schon im Oktober begonnen. Deshalb bitte nicht wundern, wenn vielleicht das Wetter nicht stimmt, Bäume noch eher herbstlich aussehen, der Erzähl-Wochentag nicht zum tatsächlichen Wochentag passt oder wir Dinge erzählen, die schon damals zeitlich längst vorbei waren.

Wirbel gibt es übrigens hier bei Meine kleine Wollwerkstatt.

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Lesen.

⭐️ 1. Dezember

'Gute Reise, kleiner Wirbel!'

Meine Bobbelmama schaute nochmal freundlich in den Karton, in den sie mich, gemütlich in Seidenpapier eingehüllt, gelegt hatte. Meine Bobbelmama hatte mich in ihrer Kleinen Wollwerkstatt liebevoll aus zwölf verschiedenen Farben zusammengeknotet und anschließend sorgfältig aufgewickelt. Sie macht sowas ständig, das ist ihr Beruf, und deshalb habe ich ganz viele kunterbunte Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen und Onkel und Tanten.

Ich bin ein Bobbel der Farbwirbel-Familie und deshalb heiße ich auch so: Wirbel. Und jetzt musste ich Abschied nehmen von meiner Bobbelmama und auf eine Reise gehen.
Meine Farben und ihre Reihenfolge hatte eine Stricktante zusammen mit ihrem Bartträger ausgesucht. Meine Reise sollte mich zu dieser Stricktante bringen; meine Bobbelmama hatte mir gesagt, dass die beiden ein bisschen verrückt, aber lieb wären und dass sie sicher wäre, dass die Stricktante aus mir etwas sehr Schönes machen würde.

Ihre liebe Stimme holte mich aus meinem Gedanken. 'Gute Reise, kleiner Wirbel!' wiederholte sie nochmal freundlich, dann machte sie den Karton zu und ich hörte, wie sie ihn mit Klebeband doppelt verschloss.

Ich weiß gar nicht genau, wie lange ich in dem Karton war; ich hatte es warm und gemütlich und mir machte die Reise nichts aus. Aber natürlich freute ich mich auch auf ihr Ende und war gespannt auf die Stricktante und ihren Bartträger und darauf, was sie mit mir vor hatte.

Ich fuhr in verschiendenen Autos (das konnte man am Motor hören) und wurde mehrfach umgeladen; schließlich hielt eines der Autos an, mein Karton wurde hochgenommen, eine Türklingel bimmelte und eine Tür öffnete sich. 'Oh wie klasse, Dankeschön!' sagte eine Stimme und 'Sehr gerne' eine andere, dann wurde ich ein Stückchen getragen, der Karton wurde abgestellt, das Klebeband durchgeschnitten und der Karton geöffnet.
Das mussten die Stricktante und der Bartträger sein!

Ich glaube, ich gefiel Ihnen gut, denn sie freuten sich sehr, mich zu sehen. Die Stricktante sagte immer wieder sowas wie 'Oh guck mal!' und 'Der ist ja schön!' und 'Genau so habe ich mir das vorgestellt!'. Der Bartträger fragte 'Was wolltest du nochmal draus machen?' - eine Frage, deren Antwort ich zu gerne gewusst hätte, aber leider überhörte die Stricktante die Frage und ließ den Bartträger und mich im Ungewissen.

Ich wurde aus dem Karton geholt und von allen Seiten ganz genau betrachtet. Dann öffnete die Stricktante eine Kiste und legte mich hinein.
Ihr werdet es nicht glauben: In der Kiste waren tatsächlich schon einige meiner bunten Verwandten! Es war so schön, vertraute Farben zu sehen und mit ihnen über unsere liebe Bobbelmama zu reden - ich vermisste sie ein bisschen. Aber alleine fühle ich mich nicht, denn meine Verwandten sind ja da. Zusammen warten wir jetzt ganz gespannt, was aus mir werden wird.

⭐️ 2. Dezember

Mein Rot ist weg! Mein schönes, leuchtendes Uni-Korallenrot ist weg! Ich habe keine Ahnung, wie das passiert ist; als ich heute morgen aufgewacht bin, war es nicht mehr da, einfach so. Die Stricktante, die ich natürlich sofort gefragt habe, hat gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen - das sagt sich so einfach! Ich bin nur mit allen zwölf Farben komplett - und jetzt fehlt mir eine. Meine Bauchbinde ist auch verschwunden, ach je!
Natürlich habe ich mich sofort auf die Suche gemacht, und zwar nach meinem Korallenrot UND meiner Bauchbinde. Letztere habe ich sehr schnell gefunden, und zwar im Abstellraum im Papiermüll. Da lag sie, auf einer alten Brötchentüte, neben der Verpackung von gefüllten Kartoffelstäbchen und einem weggeworfenen Pizzeria-Werbezettel.
Meine Bauchbinde, die meine Bobbelmama so schön gestaltet hatte! Jetzt war sie völlig zerknickt und hatte von der Kartoffelstäbchenverpackung sogar ein paar Fettflecke. Schweren Herzens ließ ich sie im Papiermüll liegen.
Die Suche nach meinem Rot war schwieriger. Ich habe überall geschaut, wo ich etwas Rotes erspäht habe, aber es gibt nicht viel Rotes in diesem Haushalt.

Bei den roten Pullis und TShirts war es nicht - und das war schon fast das einzig Rote, das ich gefunden habe.
Es gab nur noch eine Mütze mit Rot, die habe ich mir sogar aufgesetzt, um auch innen suchen zu können, aber auch das vergeblich. Mein Korallenrot war und ist verschwunden.
Meine Verwandten in der Kiste können sich das auch nicht erklären. Zum Glück mögen sie mich auch ohne Bauchbinde und Korallenrot. Hoffentlich finde ich es morgen wieder.

⭐️ 3. Dezember

Es regnet und es ist total grau draußen. Ich bin auf Tante Kuh und ein glitzeriges, weiches Etwas geklettert, um aus dem Fenster schauen zu können, aber da gibt es wirklich nichts zu sehen, außer einer nassen und trüben Straße. Mein Korallenrot-Beige-Meliert ist auch weg - jetzt bin ich nur noch beigefarben. Was geht hier nur vor?
Ich habe so laut geseufzt, dass der Bartträger gekommen ist und mich ganz freundlich auf die Hand genommen hat. 'Kleiner Wirbel' hat er gesagt, 'mach Dir keine Sorgen. Ich kann verstehen, dass Dir das alles seltsam vorkommt, aber vertrau' der Stricktante'. Er hat mir erzählt, dass er das schon seit über 20 Jahren macht und sie ihn nie enttäuscht hat. Und dass man zwar manchmal nicht genau weiß, was sie eigentlich vor hat und was das werden soll, was sie macht, dass aber am Ende immer etwas Schönes entstanden ist.

Der hat gut Reden, aber ich habe ja eine andere Wahl. Also übe ich mich jetzt in Vertrauen. Mein Korallenrot vermisse ich trotzdem.
Wir haben uns dann einen gemütlichen Tag gemacht und der Bartträger ist mit mir um die Welt gereist. Natürlich nicht wirklich, aber per Computer. Er hat mir ganz viele schöne Ecken gezeigt, die man durch Webcams sehen kann. Zum Beispiel Kylänäkymä in Finnland, da liegt schon Schnee.
In den Hamptons waren wir auch, das ist in Amerika, in der Nähe der großen Stadt New York. Da war erst früher Morgen und alles sah ganz ruhig aus.
Am Besten hat es mir aber in Biberach gefallen, da war nämlich Markt und wir konnten dem bunten Treiben zugucken. Ob es da wohl auch einen Stand gibt, wo man Wolle kaufen kann?

Der Bartträger hat übrigens gesagt, dass er demnächst den Schreibtisch vom Staub befreit, ehe er mit mir auf Reisen geht. Die Stricktante putzt nicht gerne und er auch nicht; man kann seine Zeit, hat er gesagt, deutlich sinnvoller und schöner nutzen. Wo er Recht hat, hat er Recht. Und die paar Staubflusen, die jetzt an mir haften, stören mich kein bisschen.
Ich wusste gar nicht, dass Reisen so anstrengend sein kann; der Bartträger und ich waren nach einer Weile ordentlich müde. Deshalb haben wir einfach zusammen ein Nickerchen gemacht.
Später in der Kiste hatte ich meinen Verwandten so viel zu erzählen, dass mir erst nach einer Weile aufgefallen ist, dass eine Tante zweiten Grades und ein Onkel fehlten, die gestern noch da waren. Die anderen haben erzählt, dass die Stricktante sie aus der Kiste genommen hat, aber warum wussten sie nicht. Vielleicht kann ich das morgen rausfinden.

Ach so, was dieser komische Kasten ist, den der Bartträger auf seinem Schreibtisch über dem Monitor stehen hat, erklärt er mir später mal, hat er gesagt. Ich bin schon sehr gespannt und natürlich werde ich Euch das dann auch erzählen.

Bis morgen, ich freu' mich schon!

⭐️ 4. Dezember

Ich habe mich ins Auto geschlichen. Ich habe nämlich gehört, dass die Stricktante und der Bartträger heute irgendwohin fahren wollten - und Ihr glaubt doch nicht, dass ich dann einfach Zuhause bleibe.
Ich hatte ja ein bisschen Sorge, dass sie mich nicht mitnehmen, wenn sie mich entdecken, und das mussten sie, denn ich hatte mich mitten vor die Windschutzscheibe gesetzt, damit ich auch ordentlich was sehen kann. Aber ich durfte mitfahren, hurra.

Sie wollten in ein kleines Städtchen nicht weit entfernt, aber für den Bartträger und die Stricktante ist alles weit entfernt, was nicht direkt im Dorf oder in unmittelbarer Nähe zum Dorf ist. Sie verlassen ihr Dorf gar nicht gerne, weil das für die Stricktante sehr anstrengend ist. Aber nun sollte es nach Weener gehen - so heißt das kleine Städtchen.
In Weener wollten sie tanken. Tanken ist immer eine Art Großereignis für die beiden; sie fahren so wenig Auto, dass sie manchmal nur einmal im Jahr tanken müssen. Heute das war aber schon das zweite Mal dieses Jahr; zum letzten Mal waren sie im Mai hier.
Natürlich musste ich mir alles ganz genau anschauen.
Zurück sind wir über wunderschöne kleine Sträßchen gefahren und mir hat es richtig gut gefallen.
Wir sind aber nicht direkt nach Hause gefahren, sondern haben noch einen Stop am kleinen Supermarkt im Dorf gemacht; wir wollten noch 'Was Leckeres' kaufen. Der Supermarkt ist wirklich winzig, aber man bekommt alles, was man braucht. Die Stricktante und der Bartträger kaufen nur dort ein, weil der Laden so schön überschaubar ist - was es da nicht gibt, kaufen sie eben nicht.
Mir gefiel die Auswahl. Und das Fahren auf dem Transportband an der Kasse war auch sehr lustig.
Wieder Zuhause und zurück bei meinen Verwandten in der Kiste konnte ich gar nicht aufhören zu erzählen und sie hörten mir verblüfft zu. Von ihnen war noch nie jemand hinter der Windschutzscheibe Auto gefahren oder hatte getankt oder war in einem Supermarkt gewesen und sie wollten zuerst gar nicht alles glauben, was ich zu berichten hatte. Erst als die Stricktante eine Schale Knabberinge gebracht hatte, waren sie überzeugt.

PS: Mein Uni-Alabaster ist weg. Ach, egal!

⭐️ 5. Dezember

Ich hab' die Tante zweiten Grades und den Onkel entdeckt, die ich vorgestern in der Kiste vermisst hatte; die Stricktante hat sie auf ihrem Schreibtisch und verstrickt sie gerade.
Die beiden sehen innerlich schon arg ausgemergelt aus.
Das ist aber nicht das einzige, das die Stricktante in Arbeit hat. Auf der linken Seite der Fensterbank liegt neben einem Mützenkopf ein angefangener Schal, den sie aber nicht mag, wie sie festgestellt hat. Der Bartträger hat schon den großen grauen Sack empfohlen und ich glaube, dort wird er auch landen (der Schal, nicht der Bartträger natürlich) - mir gefällt er nämlich auch nicht.
Auf der anderen Fensterbankseite liegt eine angefangener Socke und das so wunderbar weiche Glitzerdings, das so ein Mittelding zwischen Tuch und Schal werden soll. Die Stricktante hat erzählt, dass sie keine Ahnung hat, was sie mit einem knallbauen Glitzertuchschal soll, aber sie liebt ihn schon jetzt und das kann ich sehr gut verstehen.
Auf dem Sofa fristet ein ziemlich dickes Gewurstel sein Dasein, zumindest sieht es so aus. Eigentlich wird es aber auch ein Tuch, ein sehr schönes sogar, das die Stricktante schon zweimal gestrickt hat; es wird nur aus ziemlich dicker Wolle gestrickt, was für die Stricktante, wie sie erzählt hat, ganz ungewöhnlich ist.
In ihre Kisten hat sie mich auch schauen lassen; da liegt noch mehr Angefangenes. Zum Beispiel eine Art Poncho für kühle Wintertage, aber so ganz glücklich ist die Stricktante damit nicht. Irgendwie mag sie die Wolle nicht mehr, die sie dafür gekauft hat; seit sie meine Bobbelmama kennt, ist sie in puncto Wolle sehr anspruchsvoll geworden. Wir haben den Bartträger lieber nicht gefragt, was er dazu sagt; er wäre bestimmt wieder mit seinem grauen Sack angekommen.
In der alleruntersten Kiste haben wir das hier gefunden - ist das nicht schön? Das ist eine Decke aus Sockenwollresten, für die die Stricktante an Weihnachten vor zwei Jahren einen Gutschein an ihre Hamburger Kinder verschenkt hat. Damals war die Decke auch schon so groß - seitdem hat die Stricktante daran nicht mehr weiter gestrickt und ich verstehe überhaupt nicht, warum. Ich glaube, sie weiß es eigentlich auch nicht. Dabei hat sie eine ganze Kiste voll mit den fröhlich-buntesten Sockenwollresten, also eigentlich ideal, um an der Decke weiter zu stricken.
Wieder zurück in meiner Kiste habe ich meine Verwandten erst mal gefragt, ob die Stricktante eigentlich auch mal etwas fertig strickt und sie meinten, dass sie das ständig macht, allerdings würde sie auch immer wieder etwas Neues anfangen. Aber sie sind ziemlich sicher, dass irgendwann alles (bis auf die Graue-Sack-Kandidaten) fertig sein wird.

Ich finde das sehr beruhigend; ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass sie aus mir auch etwas Schönes machen wird - dabei ist seit heute mein Beige-Blattgrün-meliert verschwunden. Aber ich mache mir keine Sorgen, dafür habe ich überhaupt keine Zeit. Dafür ist es nämlich viel zu interessant und spannend hier.

⭐️ 6. Dezember

Schon sehr zeitig am Morgen hatte ich mir ein Plätzchen auf einem Zaunpfeiler gesucht. Die Stricktante und der Bartträger wollten nämlich zur Mühle gehen und da wollte ich natürlich unbedingt mit, auch wenn jetzt auch mein Uni-Blattgrün weg war.
Ja, genau - zu der Mühle. Dazu mussten wir nur ein kleines Stückchen laufen, die Mühle ist nämlich ganz in der Nähe. Man kann sie aus dem Wohnzimmerfenster sogar sehen.
Vor der Mühle steht ein alter Mahlstein, der war wie für mich zum Ausruhen gemacht. Während ich da saß, erzählte mit die Stricktanten von dem kleinen Laden in der Mühle.
Von Ostern bis Ende Oktober ist an den Wochenenden die Stöberstube geöffnet. So heißt das kleine Lädchen unten in der Mühle, das von ein paar Landfrauen betrieben wird. Landfrau wird man, indem man in den Landfrauenverein eintritt. Und wenn man gut Nähen, Häkeln oder Stricken, Einkochen, Backen oder Basteln kann oder anderweitig kreativ ist, kann man eine Stöberstubenfrau werden und seine Sachen in der Stöberstube verkaufen.

Die Stricktante ist eine der Stöberstubenfrauen, was aber nicht an ihren Näh- oder Bastelkünsten liegt (das kann sie nämlich beides überhaupt nicht), sondern daran, dass sie so gerne strickt. Ihr gehören Henriette, die Schneiderpuppe und das zweitoberste Regalbrett zur Präsentation ihrer Sachen.
Jetzt ist die Stöberstube schon eine Weile geschlossen, weil die Saison vorbei ist. Wir waren deshalb unterwegs zur Mühle, um Henriette und zwei Tücher abzuholen, die nicht verkauft worden waren. Henriette wartete schon; ihr war in der fast leeren und ruhigen Stöberstube ein bisschen langweilig.

Nächstes Jahr macht die Stöberstube übrigens eine Woche vor Ostern wieder auf.
Der Bartträger trug alles nach Hause. Die Tücher hatte er im Einkaufsnetz und ich durfte obendrauf sitzen, das hat mir sehr gefallen.
Wieder Zuhause nahm ich das Einkaufsnetz mit in die Kiste, damit es meine Verwandten kennen lernen konnte. Wir machten uns alle zusammen einen gemütlichen Abend.

⭐️ 7. Dezember

Meine Bobbelmama hat der Stricktante ein Paket geschickt; heute sollte es ankommen. Natürlich war ich ganz gespannt und hatte schon am frühen Mittag eine Aussichtsplattform auf der Fensterbank bestiegen, um ja die Ankunft des Postautos nicht zu verpassen. Die Stricktante hatte mir gesagt, dass die Post immer erst am späteren Nachmittag kommt, aber das wollte ich nicht hören.
Ich hätte besser doch auf die Stricktante gehört, denn es waren einige Stunden vergangen und ich war schon ein bisschen eingenickt, als das Postauto endlich kam. Zum Glück weckte mich das Tuckern des Motors auf.
Da war das Paket!
Und es war auch wirklich von meiner lieben Bobbelmama!
Ach du liebe Güte, sie hatte ja, neben einem mittelgroßen und einem riesengroßen roten Bobbel, einen ganzen Kindergarten eingepackt! Da waren vier klitzekleine Bobbel - und zwei davon hatten, so wie es aussah, meine Farben.
Natürlich stellten wir uns zum Familienfoto auf. Die beiden roten Bobbel hießen 'Weihnachtszeit', ja wirklich, alle beide. Die kleinen Kindergartenbobbel hatten natürlich auch Namen, zwei hießen 'Irlands Küste' und zwei so wie ich: Wirbels Weihnachtswunder. Was war das denn?
In der Kiste war es mit den Neuzugängen ganz schön eng. Die Kindergartenbobbel hatten sich nach vorne an die Scheibe gedrängelt, damit sie auch was sehen konnten. Ich hatte mir ein Plätzchen im Hintergrund gesucht. Ich musste erstmal darüber nachdenken, was das wohl zu bedeuten hatte. Ich verlor jeden Tag einen Farbbereich (heute war Blattgrün-Vanille verschwunden), aber da kamen zwei Minibobbel in meinem Farben? Das war alles sehr seltsam.

⭐️ 8. Dezember

Der Barträger, die Stricktante und ich waren heute mal wieder einkaufen. Allerdings wirklich ulkige Sachen, vor allem in der Kombination. Wir haben Lauch gekauft, eine Tüte Brötchen, eine Schale Möhren, einen kleinen Farbroller mit Ersatzrollen, zwei schwarze Eimer und ein Farbgitter. Dafür waren wir in drei Geschäften. Dorf eben.
Einen kleinen Eimer Farbe haben wir auch gekauft. Den hat der Bartträger direkt im Hauswirtschaftsraum ins Regal gestellt und mir gesagt, dass ich mir merken soll, wo er ist. Er vergisst sowas nämlich hin und wieder.
Im Hauswirtschaftsraum habe ich einen grauen Sack entdeckt. Wisst Ihr, was darin lag? Das rötlich-braune Wurststrickzeug, das vor drei Tagen noch auf dem Sofa lag, und der Schal, den die Stricktante nicht mochte. Mit dem Wurststrickzeug hat sie trotz des schönen Musters die Geduld verloren; von der dicken Wolle und den dicken Nadeln taten ihr die Handgelenke weh und sie war ziemlich unglücklich mit dem Tuch. Da man die Wolle nicht ribbeln konnte, ist es jetzt in einem grauen Sack - davon hat der Bartträger ganz viele. Das Tuch fängt die Stricktante neu an, mit anderer Wolle. Ich bin mal sehr gespannt.
Wir waren gerade wieder Zuhause, da kam ein Paket an. Aber nicht von meiner Bobbelmama, sondern von irgendeinem Geschäft, wo der Bartträger was bestellt hatte. Darin war noch ein Paket mit einem sehr interessanten Aufkleber. Was ist bloß eine Tasse Kack?!
In dem Paket war tatsächlich eine Kacktasse, aber ganz anders, als ich mir das gedacht hatte. Der Stricktante geht es manchmal nicht so gut, dann sagt sie immer, dass sie einen Kacktag hat. Der Barträger hat ihr deshalb diese riesengroße Tasse geschenkt, ist das nicht lieb?
Als ich wieder in die Kiste geklettert war, habe ich festgestellt, dass der Kindergarten samt Weihnachtsbobbeln schon wieder verschwunden waren. Keiner meiner Verwandten wusste wohin. Aber die kriegen irgendwie eh immer nicht so viel mit; dass heute mein Uni-Vanille weg war, haben sie auch nicht gemerkt.
PS: Den Kindergarten habe ich spät am Abend gefunden, als ich nochmal eine kleine Runde durchs Haus gedreht und überall mal reingeschaut habe. Die Stricktante hat die Minibobbel schon verstrickt und das Ergebnis lag gefaltet im Deko-Utensilienschrank. Was das jetzt wohl wieder soll?

⭐️ 9. Dezember

Heute haben der Bartträger und ich angestrichen. Und zwar das Klo - das muss ja auch mal sein. Deshalb hatten wir auch nur so einen kleinen Eimer Farbe gekauft, weil der Raum ganz klein ist.
Eigentlich wollte ich ja die ganze Zeit auf der Schulter des Bartträgers sitzen, aber nachdem ich zweimal runtergepurzelt war, habe ich mir doch lieber andere Plätzchen gesucht.
Ich hatte auch so alles im Blick.
Die Stricktante hatte mir extra einen schönen Hut gebastelt, damit mir nichts passiert, aber das hat nichts genutzt - nach einer Weile hatte ich einen dicken Farbklecks auf meinem schönen Mokkabraun. Der Bartträger meinte, das gehöre einfach zum Anstreichen dazu; wer nach dem Anstreichen sauber wäre, hätte was verkehrt gemacht.
Nach einer guten Stunde waren wir fertig. Es sah großartig aus.
Der Bartträger und ich waren mächtig stolz auf uns. Als nächstes kommt der Flur dran, da müssen aber vorher noch alte Tapeten runter und neue drauf. Ich bin mal gespannt, ob wir das auch wieder zusammen machen.
Ich war von der ganzen Aktion so müde, dass ich noch in der Hand vom Bartträger eingeschlafen bin. Er hat mich ganz vorsichtig der Stricktante gegeben und sie hat mich ganz sanft in meine Kiste gesetzt, mit Hut und Fleck, damit ich nicht wach werde. Meine Verwandten haben mir erzählt, dass ich sogar ein bisschen geschnarcht habe - auweia.

⭐️ 10. Dezember

Mein Mokkabraun ist weg - und der Farbfleck gleich dazu. Zum ersten Mal freute ich mich, dass ich eine Farbe verloren hatte - wer möchte schon mit einem Farbfleck rumlaufen?
Heute war ich Mokkabraun-Farn-meliert und der Barträger, die Stricktante und ich wollten spazieren gehen. Da wir gestern schon wussten, dass es heute sehr kalt wird, hatte die Stricktante mir einen Schal gestrickt, aus weicher warmer Sockenwolle. Ich sollte mich ja nicht erkälten - ein niesender Farbwirbelbobbel wäre unvorstellbar.
Die Stricktante hatte mir in ihrem Rucksack eine kleine Aussichtsplattform gebaut, da konnte ich alles sehen, war aber gleichzeitig ein bisschen vor der Kälte geschützt.
Lange bin ich aber nicht im Rucksack geblieben, es gab einfach so viel zu gucken. Die Hühner auf dem Werftgelände zum Beispiel. Ich hatte noch nie ein lebendiges Huhn gesehen.
Auf einer gefrorenen Pfütze konnte ich ein bisschen rumschiddern, das war ganz schön kalt am Bauch.
Ganz toll fand ich auch den Blick über den Deich, da konnte ich die große, breite Ems sehen. Die Stricktante hat erzählt, dass sie als ganz kleiner Bach ungefähr 350 km von hier anfängt, das konnte ich gar nicht glauben.
Im Hafen waren wir auch. Da liegen die Fischkutter, die Sonntags meistens rausfahren und Donnerstags oder Freitags wiederkommen. Natürlich musste der Bartträger ein Foto von mir mit den Fischkuttern machen. Der Schwippschwager einer meiner Cousinen ist nämlich eine Leuchtturm-Wicklung namens 'Ditzumer Fischkutter' - ja wirklich! Die Stricktante hat die Wicklung erfunden und ihr die Farben der Fischkutter gegeben.
Ich war sogar ganz heimlich ein bisschen an Bord eines der Kutter.
Zum Schluss waren wir noch bei Tant' Dientje, da habe ich mich zu den Fischen auf ihrem Tablett gesetzt. Die Stricktante mag Tant' Dientje sehr und macht ganz oft Fotos von ihr.
Wieder Zuhause bin ich sofort in die Kiste geklettert, mit war nämlich doch ein bisschen kalt geworden, trotz des warmen Schals. Aber das wollte ich natürlich der Stricktante nicht sagen. Meine Verwandten haben mich ganz lieb in ihre Mitte genommen und gewärmt, das war wunderschön.

⭐️ 11. Dezember

Heute war mir langweilig. Die Stricktante musste arbeiten; sie ist in so einem Verein im Vorstand und für den war einiges zu tun. Auf ihrem Schreibtisch hatte ich meine roten Weihnachtsverwandten entdeckt (zur einer knappen Hälfte waren sie schon verstrickt) und mich zu ihnen gesetzt, aber wir konnten uns nichts erzählen, um die Stricktante nicht beim Denken zu stören.
Auf dem Schreibtisch lag noch ein anderes Strickzeug; es waren Riesensocken. So riesige Socken hatte ich wirklich noch nie gesehen, sie waren länger als die Tastatur und ich hätte mich in ihnen verstecken können. Für wen die wohl waren?
Weil mir langweilig war, schaute ich mich ein bisschen im Wohnzimmer um. An der Wand, wo normalerweise nur die Stricksachen standen, hatte sich einiges angesammelt, ein Verkaufsstand, so wie es aussah, nebst Zubehör. Wollte die Stricktante etwa einen Laden eröffnen? Aber für sie war das doch alles viel zu klein?
An der Wand neben dem dem großen Schreibtisch hing eine Magnettafel, die hatte der Bartträger selbst gebaut. Er liebt Magnete und alles, was man damit machen kann. An diese Tafel hatte er ein Bild gehängt und einen Kalender - und sogar mich konnte er mit Magneten daran aufhängen. Aber warum hing da ein Kalender von vor zwei Jahren? Mit einem Schaf auf dem Bild? Der Bartträger nahm mich und erzählte mir die Geschichte von Gretholde, dem Deichschaf.
Eines Tages vor einigen Jahren kam ein braun-schwarzes Schaf an den Deich, dem die Stricktante den Namen Gretholde gab. Gretholde war ein höchst eigenwilliges und ungewöhnliches Schaf und wahrscheinlich, so meinte der Bartträger, mochte die Stricktante Gretholde deshalb so besonders gerne, denn die Stricktante ist auch eigenwillig und ungewöhnlich.

Die Stricktante fotografierte sehr gerne Schafe und Gretholde ganz besonders; der Bartträger hatte nicht genau gezählt, aber er meinte, es wären tausende Schaffotos, die sie gemacht hätte. Jedes Jahr machte sie einen Schafkalender; so auch im Jahr 2020. Auf dem letzte Bild dieses Kalenders war Gretholde.
Im Sommer danach musste Gretholde den Deich verlassen und die Stricktante war schrecklich traurig und vermisste sie sehr. Ohne Gretholde fehlte am Deich etwas.
Der Bartträger und die Stricktante waren sicher, dass Gretholde hin und wieder als Schäfchenwolke zurückkam und nach dem Rechten sah.
Ich musste furchtbar schlucken und dann sogar ein bisschen weinen; die arme Gretholde! Und die arme Stricktante, die Gretholde so gerne gehabt hatte! Ob sich mich vielleicht auch so gerne hatte, auch wenn sich meine Farben täglich änderten - heute zu Uni-Farn? Der Bartträger tröstete und beruhigte mich ganz lieb.
Die Geschichte musste ich unbedingt meinen Verwandten erzählen und so nahm ich ein Foto von Gretholde mit in die Kiste. Wie gut, dass der Bartträger mir auch noch eine Packung Taschentücher mitgegeben hatte.

⭐️ 12. Dezember

Morgens stöbert die Stricktante mit einem großen Becher Apfeltee erst mal ein bisschen durchs Internet und liest, was es so Neues gibt. Natürlich schaute ich mit, aber da es im Wohnzimmer noch ein bisschen kühl war, machte ich es mir auf dem heißen Apfelteebecher gemütlich und wärmte meinen Popo. Außerdem hatte ich mir noch eine der Riesensocken umgelegt, die war herrlich weich und kuschelig. Aber... Moment mal! Was war denn das?
Da hatte meine Bobbelmama ja was bei diesem Facedings gepostet - das kleine Tuch kannte ich doch?
Das hier auch! Und den Elch mit dem grünen Schal hatte ich auch schon gesehen!
Und zwar an dem Abend, als ich noch ein bisschen durchs Haus geschlichen und überall mal reingeschaut hatte. Da hatte ich den Elch und die Tücher im Deko-Utensilienschrank gefunden.
Ich hopste vom Apelteebecher runter, warf die Riesensocke beiseite, sauste in den Flur zum Schrank und rief den Elch mit dem grünen Schal. Er warf die Tüchlein vom oberen Regalbrett und sprang hinterher - zum Glück ging alles gut.
Gemeinsam schleppten wir die Tücher ins Wohnzimmer.
Wir schafften es bis in die Kiste. Ich musste meinen Verwandten unbedingt den Elch mit dem grünen Schal vorstellen und die kleinen Tüchlein zeigen, die die Stricktante aus den Kindergartenbobbeln gestrickt hatte. Schließlich waren Elch und Tüchlein jetzt berühmt, weil sie im Internet waren. Meine Verwandten waren schwer beeindruckt. Seitdem ich hier war, meinten sie, war in der Kiste richtig was los.

PS: Heute war ich Farn-Creme-meliert. Jeden Tag verlor ich einen Farbabschnitt und wurde immer dünner. Aber wisst Ihr was? Inzwischen war mir das vollkommen egal. Ich war mir ganz sicher, dass es dafür einen Grund gab und irgendwann würde ich ihn rausfinden. Den Elch mit dem grünen Schal störte es nicht und meine Verwandten mochten mich trotzdem. Ob sie vielleicht mehr wussten als ich?

⭐️ 13. Dezember

Wie sah es denn hier aus? Der ganze Schreibtisch der Stricktante und der halbe des Bartträgers noch dazu waren voll mit allem möglichen Krams.
Die Stricktante packte die Adventskalender für ihre Enkelkinder. Der Bartträger und sie haben zwei: Den Arbeiter und Herrn Zuzelmann. Ja, die heißen wirklich so! Wenn man den großen Enkel (er ist 2 3/4) fragt, wie er heißt, sagt er 'Arbeiter' - selbst in der Kita nennen sie ihn inzwischen so. Herr Zuzelmann ist fünfeinhalb Monate alt und heißt Herr Zuzelmann, weil er so zuzelig und süß aussieht.

Der Arbeiter sollte dieses Jahr einen Kaufladen mit Zubehör in den Adventskalender bekommen. Erinnert Ihr Euch noch an das große Paket mit dem Verkaufsstand drin? Das war der wichtigste Teil des Kalenders. Herr Zuzelmann sollte zusammen mit seinen Eltern einen Kalender bekommen; nächstes Jahr, wenn er ein bisschen größer ist, bekommt er dann einen nur für sich.

Die Stricktante war dabei, die Sachen für den Arbeiter auf 23 Päckchen zu verteilen (eins war ja der große Verkaufsstand) und alles schön einzupacken. Ich fand die Würste sehr lustig und das Holzgemüse auch.
Es gab sogar einen Einkaufskorb mit lauter verschiedenen Päckchen dazu, aber die waren leer und aus Pappe. Die Stricktante meinte, das wäre richtig so; ich fand es ja etwas seltsam. Sie und der Bartträger kauften ja auch keine leeren Pakete, wenn sie in den Supermarkt gingen.
Zwischendurch musste sie dann auch noch eine Socke für Herrn Zuzelmann fertig stricken. Stricken kann sie immer, selbst im größten Durcheinander zwischen Geschenkpapier, Portionsdöschen Marmelade und eingewickeltem Holzeis.
Danach kamen dann die Päckchen für Herrn Zuzelmann und seine Eltern an die Reihe. Es sah alles wunderschön bunt und fröhlich aus.
Mir war das Durcheinander nach einer Weile ein bisschen zuviel und ich kletterte mit ein bisschen Weihnachtsdeko in die Kiste zu meinen Verwandten; da war es deutlich ruhiger. Der Bartträger murmelte etwas davon, dass so eine Kiste echt praktisch wäre und er manchmal auch gerne eine hätte, aber ich habe nicht verstanden, was er damit meinte.
Mitten in der Nacht, als die Stricktante und der Bartträger schon schliefen, bin ich nochmal aus der Kiste geklettert und durchs Haus gestreift. Im dunklen Flur standen drei große Pakte: Zwei für den Arbeiter und eins für Herrn Zuzelmann - die Stricktante war also tatsächlich mit allem fertig geworden.

⭐️ 14. Dezember

Mein Uni-Creme war weg, aber ich hatte keine Zeit, mich damit zu beschäftigen. Der Bartträger hatte nämlich die großen Pakete für den Arbeiter und Herrn Zuzelmann schon ins Auto geladen, um sie zusammen mit der Stricktante zur Post zu bringen. Ich wollte natürlich mit.
Wir fuhren ein paar Dörfer weiter, zum großen Bruder unseres kleinen Supermarktes. Dort gab es eine Postfiliale. Wir hätten die Pakete auch in unserem kleinen Dorfsupermarkt abgeben können, da gab es eine Paketannahmestelle, oder sie dem netten Postboten mitgeben, aber bei den Riesendingern wollte die Stricktante das lieber nicht.
Die Pakete waren wirklich echt groß.
Wo wir schon mal in einem etwas größeren Supermarkt waren, wollten die Stricktante und der Bartträger auch nach ein paar Sachen gucken, die zuletzt in unserem kleinen Supermarkt immer ausverkauft gewesen waren. Dabei kamen wir an der Gemüsetheke vorbei - genau meine Farben.
Die Teeabteilung gefiel der Stricktante sehr; sie mag Tee, nur schwarzen und grünen Tee nicht. Davon kriegt sie immer Herzklabastern, hat sie gesagt, was auch immer das ist. Erstaunlicherweise gab es hier auch die Sorten, die, wie die Stricktante erzählt hat, bei uns im Dorfsupermarkt die letzten Wochen nicht zu bekommen gewesen waren, obwohl beide Märkte den gleichen Betreiber und Besitzer haben.
'Was Leckeres' und eine Fahrt auf dem Kassenband musste natürlich auch wieder sein - das macht einfach so viel Spaß!
Dann fuhren wir wieder nach Hause. In dem Häuschen vorne rechts mit der weißen Türe wohnen die beiden, direkt hinterm Deich.
Meine Verwandten hatten sich schon gefragt, wo ich wohl stecke, weil sie mich so lange nicht gesehen hatten. Ich hätte ihnen gerne einen von den leckeren Tees mitgebracht, aber von heißem Tee beschlägt die Kiste von innen und man kann nicht mehr rausgucken. Schaumküsse sind da deutlich praktischer - und noch leckerer als Tee.

PS: Meistens kaufen die Stricktante und der Bartträger tatsächlich auch Gesundes ein. Behaupten sie zumindest.

⭐️ 15. Dezember

Die Stricktante und der Bartträger haben einen sehr netten Nachbarn und der ist der Platzwart des Wohnmobilplatzes. Wenn er mal in Urlaub ist oder etwas vor hat, vertreten sie ihn; das macht ihnen richtig viel Spaß, haben sie erzählt. Sie müssen dann die Gebühren kassieren, sich kümmern, wenn es Probleme gibt, hin und wieder auch mal eine Gasflasche verkaufen und überhaupt all das machen, was eben gemacht werden muss.

Heute war es mal wieder soweit und wir sind im späten Nachmittag losgezogen. Ich war natürlich mit, sowas lasse ich mir ja nicht entgehen. Normalerweise sitzt die Stricktante in dem Steuerhaus und kassiert, aber es waren nur ganz wenige Wohnmobile da, deshalb sind wir über den Platz zu den einzelnen Wohnmobilen gelaufen.
Ich habe eine Weile ganz oben in dem schönen Christbaum vor dem Steuerhaus gesessen, da hatte ich einen tollen Rundblick. Natürlich hatte ich wieder meinen Schal an, es war nämlich kalt und es wehte ein ziemlich eisiger Wind. Ich musste ihn ein bisschen enger ziehen, denn inzwischen war mein Creme-Mango-meliert weg - ich wurde immer dünner.
Ich hatte wirklich einen richtig schönen Blick.
Als wir fertig waren, sind wir noch ein bisschen durchs Dorf gefahren; die Stricktante und der Bartträger wollten mir die schöne Weihnachtsdeko im Dorf zeigen.
Einen Christbaum gab es da auch, sogar mit Geschenken, aber die Stricktante meinte, das wären nur leere Kartons, die in Geschenkpapier eingewickelt worden wären. Also so ähnlich wie bei den Schachteln für den Kaufladen des Arbeiters. Das habe ich mir aber nur gedacht.

Wenn Ihr ganz genau guckt, seht Ihr mich auf der Mauer vor dem Christbaum sitzen.
Der allerschönste Christbaum steht aber bei der Stricktante und dem Bartträger im Hofbeet. Er leuchtet ganz gemütlich und einladend.
Dabei ist es gar kein richtiger Christbaum, also nicht so ein pieksiges Teil mit grünen Nadeln. Es ist eine Magnolie, hat der Bartträger gesagt. Das besondere an Magnolien ist, dass sie vor dem Winter alle Blätter verlieren, aber die Knospen schon zu sehen sind. Die bleiben auch den ganzen Winter über am Baum und blühen im Frühling dann auf, lange bevor der Baum neue Blätter bekommt. Seltsam, oder?
Als ich wieder in der Kiste war, war mir so kalt, dass die Stricktante mir einen heißen Kräutertee verordnet hat. Ich hatte es ja geahnt - sofort beschlugen die Wände der Kiste. Aber der Becher war herrlich warm und ich habe mich ganz feste an ihn gedrückt. Meinen Verwandten hat das mit dem Tee auch sehr gut gefallen.

⭐️ 16. Dezember

Ich glaube, Ihr wisst schon, was das bedeutet: Genau! Ein Paket von meiner Bobbelmama. Natürlich hatte ich mir rechtzeitig ein Plätzchen am Fenster gesucht, um auf das Postauto zu warten. Und diesmal kam es deutlich früher als beim letzten Mal.
Die Stricktante nahm das Paket entgegen und legte es auf ihren Schreibtisch.
Keine Angst, das sieht nur gefährlich aus, war es aber gar nicht. Das Messer ist so stumpf, dass man darauf nach Laramie reiten kann, hat die Stricktante gesagt.
Was hatte meine Bobbelmama wieder für schöne Farben aufgewickelt! Zwei Bobbel hatten ganz ruhige Blautöne, einer war Knallpink und einer regenbogenfarbig. Und ein großer hatte ganz sanfte Farben; die Stricktante hat mir erklärt, dass man das Pastell nennt.
Die Pastellfarben brauchte die Stricktante für einen Schal, den sie sich passend zu einer Mütze stricken wollte. Die Mütze war schon fertig und aus anderer Wolle; den Schal wollte sie aber aus der Wolle von meiner Bobbelmama stricken. Es war unglaublich, die Farben waren absolut gleich, obwohl es unterschiedliche Wolle war.
Von den Mützen hatte die Stricktante schon fünf gestrickt; die pastellige war die sechste. Zwei gehörten dem Bartträger, der sich für fröhliches Schwarz entschieden hatte, die vier bunten der Stricktante.
Der große Pastellbobbel und die blauen Bobbel kamen mit in die Kiste, der pinke und der regenbogenfarbige nicht; mit ihnen hat die Stricktante wohl sofort angefangen, obwohl überall (wie Ihr ja schon wisst) noch andere angefangene Sachen lagen. Der Pastellbobbel und die Mütze wollten sich gar nicht mehr trennen und so kam die Mütze auch mit.

⭐️ 17. Dezember

Ich habe Henriette entdeckt, die Schneiderpuppe, die die Stricktante, der Bartträger und ich neulich in der Mühle abgeholt haben. Sie steht oben im Sportelzimmer des Bartträgers und hat sich sehr gefreut, mich zu sehen. Ich glaube, ihr ist da oben ein bisschen langweilig, weil sie Sport nicht so besonders mag.
Die Stricktante mag Sport auch nur im Fernsehen, aber der Bartträger ist ein begeisterter Sportler. Er hat ein richtig kleines Studio mit allem möglichen Zeugs drin. Unten im Schlafzimmer steht sogar ein toller Ellipsentrainer, den hat der jüngere Sohn mal der Stricktante geschenkt. Ratet mal, wer darauf aktiv ist? Genau, die Stricktante nicht.
Wenn der Bartträger Sport macht, hat er immer laute Musik auf dem Handy an. Da hat er lauter olle Kamellen aus den 60er-Jahren drauf, aber die sind so schwungvoll, dass selbst ich ins Hopsen komme.
Ich durfte sogar ein bisschen mit sporteln, das hat richtig Spaß gemacht.
Die Stricktante hatte in der Zwischenzeit ein Geschenk von einer ganz lieben Bekannten bekommen. Ich dachte ja zuerst, das wäre ein Eimer Farbe im Weihnachtslook, aber da hatte ich mich so richtig getäuscht.
Der Eimer war eine riesengroße Keksdose und er war voll mit Rullerkes, die die Bekannte selbst gebacken hatte. Sie dufteten unfassbar gut, hmmm! Die Stricktante hat mir erklärt, dass Rullerkes ein ostfriesisches Silvester- und Neujahrsgebäck sind, das ganz kunstvoll hergestellt wird. Man darf es aber auch schon vorher essen, hat sie gesagt.
Der Duft war so verlockend, dass ich ihn unbedingt mit in die Kiste nehmen musste; das ging natürlich nur, indem ich ein Rullerkes mitgenommen habe. Meine Verwandten mochten den Duft auch sehr gerne.

⭐️ 18. Dezember

Vor gut zwei Jahren haben die Stricktante und der Bartträger eine neue Haustüre bekommen. Seitdem wollte der Bartträger eigentlich den Flur renovieren, aber irgendwie ist immer was dazwischen gekommen.
Heute sollte es aber endlich losgehen und der Bartträger fing an, die Treppe abzukleben.
Danach mussten wir erst mal gründlich überlegen, wie es jetzt weiter gehen sollte; so einen Flur zu renovieren muss ja gut geplant werden.
Da Denken mit leeren Magen nicht so gut klappt, hat die Stricktante erstmal ein leckeres Frühstück gemacht. Die Eier sind übrigens keine gefärbten Ostereier, sondern sehen wirklich so aus; die beiden bekommen ihre Eier von einer jungen Dame hier aus dem Dorf, die Hühner im Garten hat. Und diese Hühner legen fröhlicherweise bunte Eier.
Mit vollem Magen war die Entscheidung, wie es weiter gehen sollte, leicht: Die Tapeten mussten runter.
Natürlich durfte ich helfen.
Wenn mir langweilig war, las ich ein bisschen in den Zeitungen, die der Bartträger zum Abkleben benutzt hatte. Besonders gut gefiel mir der Schnitzelfarbrik-Adentskalender. Davon musste ich unbedingt meinen Verwandten erzählen; sie wussten bestimmt gar nicht, dass es sowas gibt. Die Stricktante machte mir ein Foto des Kalenders, das ich mit in die Kiste nehmen konnte .
Meine Verwandten fanden den Kalender auch sehr lustig.

PS: Die Tapeten rund um die Türe sind runter, aber jetzt hat der Bartträger die Arbeiten bis zum nächsten Jahr erstmal eingestellt. Ihm ist nämlich aufgefallen, dass es nicht so besonders sinnig ist, zusätzliche Feuchtigkeit über Tapetenlöser und später Tapetenkleister ins Haus zu bringen, wenn man wegen der Kälte nicht ständig lüften kann. Die Stricktante hat ein bisschen gekichert, als er ihr das erklärt hat; sie kennt ihren Bartträger sehr gut. Sie vermutet, dass es vielleicht im nächsten Sommer weitergehen wird. Oder im Sommer in zwei Jahren. Das hat sie aber nur mir gesagt.

⭐️ 19. Dezember

Ich mag Winter, habe ich festgestellt. Da ist es zwar oft heftig kalt, aber die Farben draußen sind so schön und es sieht schon alles richtig weihnachtlich aus. Und weil es so schön ist, waren die Stricktante, der Bartträger und ich heute wieder draußen. Ich natürlich mit meinem Schal; ich war allerdings inzwischen so dünn, dass ich ihn zweimal um mich rum wickeln konnte.
Die Stricktante hatte mir ein Plätzchen in der teddygefütterten Kapuze des Bartträgers gemacht, da war es schön warm und weich.
Noch lieber saß ich allerdings in ihrer Hand. Sie hat immer, egal wie kalt es ist, ganz warme Hände.
Im Dorf war es ganz ruhig, das mögen die Stricktante und der Bartträger sehr. Wenn Ihr mich auf dem Bild sucht: Ich sitze rechts auf einem der Balken des großen Fluttores.
Die Stricktante und der Bartträger lieben ihr kleines Dorf im Winter.
Das kann ich so gut verstehen, es sah auch wirklich zauberhaft aus. Die Siele und Bäume waren schon überfroren, so kalt war es.
Wieder Zuhause wollte ich unbedingt nochmal in der Weihnachtsbaummagnolie sitzen. Obwohl es noch hell war, hat die Stricktante extra für mich die Lichter schon angemacht.
Dem Bartträger ist eingefallen, dass er noch eine kleine Lichterkette hat, die hat er mir mit in die Kiste gegeben, das war so schön! Es war richtig weihnachtlich in der Kiste und ganz leise haben meine Verwandten und ich sogar ein paar Weihnachtslieder gesummt.

⭐️ 20. Dezember

Nein, nicht noch ein Paket von meiner Bobbelmama. Aber auf Wolle warten die Stricktante und ich trotzdem.

Die Stricktante hat nämlich ein Sockewolle-Abo; ja, sowas gibt es wirklich! Da bekommt man viermal im Jahr ein Paket mit sechs Knäulen Sockenwolle, ohne dass man vorher weiß, was drin ist. Toll, oder? So ein Paket sollte heute kommen.
Die Sockenwolle bringt nicht der nette Postbote, der mich und die anderen Pakete von meiner Bobbelmama gebracht hat, sondern ein anderer Paketdienst. Der Fahrer war aber auch nett, hat die Stricktante gesagt.
Ich war ganz gespannt, die Stricktante auch. Vor allem, weil es Farben gibt, die sie nicht mag, Braun und Lila. Und sie mag insgesamt keine dunklen Farben. Hoffentlich war der Inhalt des Pakets hell und freundlich und ohne braun oder lila.
Ich durfte zuerst reingucken.
Oh, das sah aber schön aus! Zumindest die oberen drei Knäule.
Insgesamt waren sieben Knäule Wolle im Paket, sechs Abo-Knäuel und ein zusätzliches als Weihnachtsgeschenk. Mir gefielen sie alle sehr, sie sahen so bunt und fröhlich aus. Obwohl eines der Knäuel ein bisschen lila war (aber eben nur ein ganz bisschen), war die Stricktante auch ganz begeistert.
Natürlich musste sie sofort eines der Knäuel anstricken; sie hat sich dazu das mit dem Lila ausgesucht. Das Knäuel wurde auf einen Abwickler gesetzt, wo es beim Abwickeln Karussell fahren konnte. Ich durfte mich obendrauf setzen und mitfahren, das war lustig.
Meine Verwandten und ich luden die Knäuel in unsere Kiste ein und tatsächlich kam eins mit; die anderen waren noch ein bisschen schüchtern. Es hat uns viel erzählt, von den Schafen, aus deren Fell es gemacht ist und vom Leben als Sockenwolleknäuel im Allgemeinen. Wir hatten es sehr schön zusammen.

⭐️ 21. Dezember

Die Stricktante und ich hatten heute etwas ganz Tolles vor: Sie wollte mir zeigen, wie man Brot bäckt. Das macht sie ständig, weil der Bartträger einen ganz schwierigen Magen hat und nur selbst gebackenes Brot essen kann, wobei die Stricktante für das Weißbrot zuständig ist und sie das Schwarzbrot bei einer lieben Bekannten kaufen. Wir wollten also Weißbrot backen. Dazu braucht man Mehl, Salz Zucker, Milch, Butter und Hefe. Mehr nicht.
Die Stricktante hat eine kleine Knetmaschine, um aus den Zutaten einen Teig zu machen. Das ist für sie sehr hilfreich und für mich sehr lustig. Der Knethaken hopst nämlich immer so ein bisschen und ich bin dann mitgehopst, weil ich obendrauf saß.
Gebacken wird das Brot in einer Kastenform, nämlich in dieser. Ja, das ist wirklich eine Kastenform, auch wenn man es gar nicht sieht. Sie ist aus Silikon und wird zusammengesteckt. Die Stricktante findet das total praktisch; ich weiß nicht so genau, was ich davon halten soll.
Der Teig muss ungefähr fünf bis sechs Minuten in der Maschine geknetet werden, dann ist er genau richtig. Elastisch, sagt die Stricktante dazu. Weich, aber nicht klebrig, würde ich sagen.
Dann kommt er in die Kastenform und muss da erstmal zwei Stunden gehen. Warum das so heißt, weiß ich nicht, denn der Teig geht überhaupt nicht weg, er bleibt in der Form. Er muss sich nur ein bisschen aufplustern.
Danach kommt er in den Backofen, wenn man denn einen hat. Die Stricktante hat keinen, sondern einen Mikrowellen-Grill-Backofen, da macht sie alles drin, hat sie erzählt, auch das Brot. Ich musste mir das natürlich ganz genau anschauen, aber ehe es dann mit dem Backen los ging, bin ich ganz schnell wieder ausgestiegen.
Eine Stunde später war das Brot fertig. Es duftete ganz wunderbar und sah auch sehr lecker aus.
Ob Ihr es glaubt oder nicht: Ich war von dem Brot so begeistert, dass die Stricktante es mir tatsächlich für ein Weilchen mit in die Kiste gegeben hat, damit meine Verwandten es auch kennen lernen konnten. Hoffentlich entdeckt sie die kleinen Löcher nicht, die wir ganz vorsichtig hineingeknabbert haben.

⭐️ 22. Dezember

Die Stricktante, der Bartträger und ich hatten heute einen sehr gemütlichen Nachmittag. Der Bartträger hat Kaffee gemacht und Kekse ausgepackt, die Stricktante hat ein paar Fotos rausgesucht. Viele hat sie nicht, weil sie nicht gerne in der Vergangenheit ist, aber die, die sie hat, hat sie mir gezeigt. Es waren Bilder von ihr und ihren beiden Jungs.
Das ist die Stricktante im Sommer 1963, da war sie vier Jahre alt. Der Bartträger liebt das Bild; er findet, dass die Stricktante heute noch genauso strahlt wie auf dem Foto. Nur die Zahnlücke hat sie nicht mehr.
Das ist auch die Stricktante, voraussichtlich im Sommer 1986, da hat sie schon ihre beiden Jungs. Der Bartträger ist nicht der Papa der Jungs, ihn hat sie erst viele Jahre später (wieder-) gefunden.
Zum Friseur gingen die Jungs nicht gerne.
Ihr Lieblingsbild ihrer Jungs hat die Stricktante nicht mehr in Papierform, sondern nur noch digital. Das war in einem Sommerurlaub in Holland an der Küste. Der Sohn links ist übrigens der Papa vom Arbeiter, der Sohn rechts der von Herrn Zuzelmann.
Einige Zeit und viele Kekse später hatte ich alle Fotos gesehen, die sie hatte. Am besten hatte mir das Kinderbild der Stricktante gefallen und ich habe gefragt, ob ich es mit in die Kiste nehmen durfte.
Meine Verwandten fanden es auch ausgesprochen goldig.

⭐️ 23. Dezember

Der 23. Dezember war da, der Tag vor dem Heiligen Abend. Und von mir war nur noch das übrig - eine einzige Farbe. Nach meiner Logik bedeutete das, dass ich morgen ganz verschwunden sein würde, oje. Vielleicht sollte ich mich vorsichtshalber mal von meinen Verwandten verabschieden?
Da waren sie, mit denen ich in der Kiste so schöne Zeiten erlebt hatte. Bis auf den Pastellbobbel waren alle von Anfang an dabei gewesen, auch wenn man sie vielleicht nicht gesehen hatte. Die beiden kleinen vorne rechts zum Beispiel oder der Muschel-Bobbel, der zum 'Sommer in Frankreich' gehörte.
Aber es hatte ja auch noch Neuzugänge gegeben, die meine Bobbelmama geschickt hatte. Die beiden roten Weihnachtszeit-Bobbel und die vier Kindergartenbobbel zum Beispiel.
Die Kindergartenbobbel hatte die Stricktante verstrickt; Ihr hattet die Ergebnisse ja schon kennen gelernt.
Die roten Weihnachtszeit-Bobbel hatte sie in Arbeit und war fast damit fertig.
Dann waren noch der Pastellbobbel, der noch in der Kiste war, die Brandungs-Bobbel und die beiden bunten LGBTQ-Bobbel dazu gekommen.
Die Brandungsbobbel waren ein wunderschönes Tuch geworden.
Die LGBTQ-Bobbel hatte die Stricktante angefangen, aber sie waren auch noch nicht fertig.
Der Tag war irgendwie sehr merkwürdig und er endete noch merkwürdiger. Die Stricktante erklärte mir, dass ich nicht wie sonst in der Kiste schlafen sollte, sondern bei ihr auf dem Nachttisch. Ojeoje.

Ob Ihr mich morgen überhaupt noch einmal wiedersehen werdet?

⭐️ 24. Dezember

Der Heilige Abend - und ich bin noch da! Zumindest ein klitzekleines Restchen von mir - was ist nur mit all meinen Farben passiert?

Die Stricktante wurde wach und sagte 'Kleiner Wirbel, ich habe eine Überraschung für Dich!'

Sie nahm mich auf die Hand und wir gingen ins Wohnzimmer.

Da hing ein Tuch an der Wand, ein wunderschönes Tuch, aus all den Farben, die ich verloren hatte! Ich musste schlucken. Da waren mein Koralle und Beige, mein Blattgrün, Vanille und Mocca, mein Farn, Creme, Mango, Gold, Froschgrün und Rot. Und mein Kurkuma, die einzige Farbe von der ich noch ein kleines bisschen hatte.
Die Stricktante hängte das Tuch an Luise und setzte mich dazu. Sie hatte ganz heimlich Farbe für Farbe verstrickt, ohne dass ich irgendetwas davon gemerkt hatte. Es war ein Wunder. Es war mein Weihnachtswunder.
Sie hatte sogar ein Muster eingestrickt, aus lauter Herzen. Jetzt wusste ich, dass sie mich auch sehr mochte, genauso wie Gretholde.
In mir machte sich große Ruhe und Zufriedenheit breit. Meine Bobbelmama hatte nicht zu viel versprochen: Die Stricktante hatte etwas sehr Schönes aus mir gemacht.
Sie rollte das Tuch auf, holte meinen Freund, den Elch mit dem grünen Schal aus dem Schrank (in dessen Geweih es sehr gemütlich war) und machte es wunderbar weihnachtlich. Konnte es irgendwo schöner sein als hier?
PS: Was mit meinem Weihnachtswundertuch passiert ist? Wir haben es verschenkt, an jemanden, den wir sehr mögen.

Ich bin der glücklichste kleine Wollrest der Welt.

Frohe Weihnachten Euch allen! 🎄❤️⭐️

Alle Einzelheiten zum Tuch, das aus Wirbels schönen Farben entstanden ist, findet Ihr hier.

Kommentare 14

Liebe Ursula! Beim Stöbern bin ich gerade per Zufall auf deinen Advendskalender gestoßen und habe bei 28 Grad auf dem Balkon die letzte Stunde mit lesen verbracht. Das ist der schönste und am liebevollsten gemachte AK den ich jemals gesehen habe. Machst du noch mal einen? Viele sommerliche Grüße von der Ostsee, deine Tini

Liebe Tini,

Dankeschön für Deinen so lieben Kommentar 🤗 Ich finde es so schön, dass Du im Sommer auf Deinem Balkon meinen alten Adventskalender gelesen hast und er Dir auch noch so gut gefallen hat 🥰

Mir hat er auch unglaublich viel Freude gemacht; ich überlege jedes Jahr, ob ich wieder einen Kalender machen soll, aber irgendwie kann man Wirbels Geschichte nicht toppen - es müsste etwas ganz anderes sein, was aber auch meiner Liebe zum Erzählen entgegen kommt. Da fehlte mir bisher die zündende Idee, aber vielleicht kommt sie ja noch.

Ganz liebe Grüße zurück zu Dir an die Ostsee 👋

Oh, ich kann das heutige Türchen nicht öffnen ;(

Liebe Grüße

Lena

Liebe Lena,

es tut mir so leid - ich hatte beim 17. Türchen was falsch eingestellt 🙈, aber jetzt geht es 🙃

Vielen lieben Dank fürs Bescheid sagen 🤗

Liebe Ursula, schade dass wir jetzt gerade nicht auf dem Wohnmobilstellplatz waren. Ich hätte den Bobbel so gerne kennengelernt. Wenn wir Silvester wieder in Ditzum sind, wird er längst vollständig verstrickt sein.

Liebe Adventsgrüße

Lena

Liebe Lena,

ich fürchte, dass Wirbel in seiner ursprünglichen Form tatsächlich nicht mehr da sein wird. Aber ein bisschen was wird er in den nächsten Tagen noch erzählen 🙃

Dass Ihr über Silvester hier seid, ist aber schön 🚐 - vielleicht sehen wir uns ja 🤗

Ganz liebe Adventsgrüße zurück zu Dir 🎄⭐️🕯️

Liebe Ursula, :love:

Kindergartenbobbel, herrlich. Ich bin auch jeden Tag hier und freue mich auf jedes Türchen.

Liebe Grüße

Jana

Liebe Jana,

das ist so schön, dass Du jedes Türchen liest - Dankeschön 🥰 Es hat auch und macht immer noch ganz viel Spaß, die Geschichten zu schreiben; ein paar habe ich noch vor mir 🙃

Ganz liebe Grüße zu Dir 😘

Liebe Ursula,

ich bin jeden Tag aufgeregt wie ein kleines Kind, wenn ich das nächste Türchen von deinem Adventskalender öffnen darf.

Die Geschichten sind so wundervoll :!:

Ganz liebe Grüße nach Ditzum

Lena :) <3

Liebe Lena,

vielen Dank; ich freu' mich so, dass Du den Adventskalender und seine Geschichten magst 🙃⭐️

Ganz liebe Grüße aus einem vorweihnachtlichen Ditzum 🎄

Liebe Ursula,

was für eine zauberhafte Geschichte❤️

Vielen Dank dafür und für die vielen Anleitungen und Tipps rund um Wolle und das Stricken.

Ich wünsche Ihnen und dem Bartträger eine wundervolle Advents- und Weihnachtszeit⭐️💫

Herzliche Grüße

Martina

Liebe Martina,

wir dürfen uns hier duzen, einverstanden?

Es ist so schön, dass Du die Geschichte magst, Dankeschön 🎄 Und das liebe Lob für meine Seite freut mich auch sehr 🙃

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben auch eine wunderbare Weihnachtszeit ⭐️

Liebe Ursula, :)

jetzt bin ich ja total gespannt was aus dem kleinen Wirbel geworden ist. <3

Eine süße Geschichte. :love:

Liebe Grüße

Jana

Liebe Jana,

Dankeschön für Deinen so lieben Kommentar 😘 Ich freu' mich ganz besonders, dass Dir die Geschichte gefällt - Du schreibst ja selbst so schöne Geschichten 😍

Ganz liebe Grüße zurück zu Dir ⭐️

Fragen, die nichts mit diesem Beitrag zu tun haben, und allgemeine wollige Anliegen könnt Ihr hier los werden.